Verspätete Briefe
Kein Schadenersatz beim Poststreik

Wer seine Briefe zu spät losschickt, kann die Post nicht für Verspätungen haftbar machen. Auch in Streikzeiten tragen Kunden die Verantwortung selbst - was sie tun können, um Verzögerungen zu vermeiden.
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DüsseldorfDie Gewerkschaft Verdi macht im Tarifstreit mit der Deutschen Post weiter Druck. Auch am Mittwoch wurden Tausende Postmitarbeiter zu Warnstreiks aufgerufen. Die Folge für die Kunden: Ihre Briefe kommen später beim Empfänger an.

Doch damit können sich die Versender nicht aus der Verantwortung ziehen: „Wer auf die letzte Minute eine Kündigung losschickt, kann die Post nicht dafür haftbar machen, wenn diese nicht rechtzeitig ankommt“, sagt Hannelore Brecht-Kaul von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Wenn eine Kündigung im Zuge des Warnstreiks zu spät kommt, können die Kunden nur auf die Kulanz ihres Vertragspartners hoffen“, sagt die Verbraucherschützerin.

Das grundsätzliche Problem bei einem Standardbrief ist sowieso, dass niemand prüfen kann, wann der Brief abgeschickt wurde. „Ein Anspruch auf Schadenersatz wäre nur dann denkbar, wenn das Versandunternehmen einen bestimmten Termin für die Zustellung fest zusagt“, sagt Brecht-Kraul. Das könnte bei einem Express-Brief der Deutschen Post der Fall sein.

„Beim Express-Versand geben wir ein konkretes Laufzeitversprechen und würden für eine verspätete Lieferung der Briefsendung haften“, sagt Dirk Klasen, Sprecher der Deutschen Post. Der Kunde kann dabei genau festlegen, bis wann sein Brief spätestens zugestellt werden soll. „Unser Express-Versand ist von den Streiks jedoch nicht betroffen“, sagt Klasen. Diese Briefe würden über ein anderes Transportnetz befördert.

Wer also Sorge hat, dass sein Standardbrief wegen des Streiks nicht ankommt, kann auf den Express-Versand ausweichen. Günstiger ist es jedoch, sich bei der Hotline der Deutschen Post (Nummer: 0228 - 76 36 76 50) zu erkundigen, wo aktuell gestreikt wird. Alternativ könnten Kunden auch auf andere Versanddienstleister ausweichen oder vorab ein Fax schicken.

„Die Streiks sind nicht flächendeckend, auch die Vielzahl der betroffenen Orte sagt noch nichts über die Einschränkungen im Versand aus“, sagt Klasen. „Bislang waren pro Tag von 64 Millionen Sendungen nur ein bis drei Prozent betroffen.“ Da jeden Tag in anderen Orten gestreikt werde und wechselnde Betriebsbereiche betroffen seien, bleibe ein Brief gewöhnlich nicht länger als einen Tag liegen.

Handelsblatt-Finanzkorrespondentin Katharina Schneider.
Katharina Schneider
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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  • Leider muss ich meinem Vorschreiber Recht geben. "Leider" deshalb, weil es im Sinne einer volkswirtschaftlichen Gesundung besser wäre, adäquaten Wettbewerb zuzulassen. Der "Wettbewerb" der Deutschen Post sieht so aus, dass viele "Dienstleister", deren Mitarbeiter lausig entlohnt werden, von verdi eben nicht verteten werden. Gestern entdeckte ich neue Leerzeiten an meinem üblichen Briefkasten..Die sehen nun so aus, dass die letzte(!!!) Tagesleerung um 9 Uhr morgens statt findet. Das soll nun deuten können wer mag. Für mich bedeutet es, die Briefe müssen am Vorabend eingelegt werden, damit sie dann irgendwann nach Mitternacht auch abgeholt werden. Service Deutsche Post (man weiss nie wann das Müllauto abholt). Das nur als kleines Beispiel. Die Post zieht sich im weiteren, so gut es geht, aus der Verantwortung. Werden Briefe nicht zugestellt, so hat man einfach Pech gehabt (warum soll man auch ausgerechnet jetzt Post versenden!!?). Unseren Politkern tut das nicht weh. Die lassen zur Not ihre Dossiers per Kurier übermitteln. Gerade die Post sollte sich an ihren ursprünglichen Auftrag erinnern, flächendeckend schriftliche Kommunikation zu ermöglichen. Nicht jeder Rentner betreibt Email und Dauer-SMS-Verkehr und manche sind auch nicht in der Lage, sich so etwas zu leisten. Im Grunde sind wir Bürger immer schuld! Warum wollen wir auch so unmögliche Dinge von anderen, wie Post, Flugverkehr und kunftionierenden Personennahverkehr, um nur einige zu nennen? Gerade in den letzten Jahren habe ich sehr viel Verweigerungspotential im Alltagsleben entdeckt. Fast immer waren es Unternehmen, Behörden, die stets unser bestes wollen, das Geld!

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