Volkswagen und der EA 189
Habe ich einen VW-Schummelmotor?

VW-Motoren des Typs EA 189 sind „auffällig“ und zeigen bei den Abgaswerten eine „Abweichung zwischen Prüfstandswerten und realem Fahrbetrieb“. Nach und nach gegeben VW, Audi und andere Marken neue Details bekannt.
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Der Volkswagen-Konzern bekämpft die Folgen des Abgas-Skandals in den USA. 6,5 Milliarden Euro Rückstellungen bildet der Konzern. Was das für deutsche Kunden des Unternehmens bedeutet.

Was sagt Volkswagen?
Zunächst hatte Volkswagen davon gesprochen, das elf Millionen Motoren des Typs EA 189 Auffälligkeiten zeigen. Diese Zahl sei ein Schätzwert und absichtlich hoch gegriffen, hieß es am 24. September. Ob es tatsächlich 11 Millionen Motoren sind, die überprüft werden müssen, könne nicht genau gesagt werden, so ein sechs Tage nach dem Bekanntwerden des Skandals.

Ist mein Volkswagen betroffen?

EA 189 beschreibt laut VW eine Motorengruppe, die 3-Zylinder-Motoren mit 1,2 Liter und 4-Zylinder-Motoren 1,6 Liter und 2,0 Liter Hubraum umfasst. Die Aggregate sind TDI-Common-Rail-Motoren mit Abgasnorm Euro 5. Der kleine 1,2-Liter-Motor ist nicht sehr oft verbaut worden, die beiden anderen Motoren sind aber Volumenmodelle. Seit Anfang vergangener Woche sei VW dabei, die Daten auszulesen, wo wann welcher Motor hin geliefert wurde.

Die betroffenen elf Millionen Fahrzeuge weltweit seien identifiziert, hieß es dann am 26. September. „Ich denke, dass die Händler ab nächster Woche aussagefähig sind“, sagte ein VW-Sprecher. Alle betroffenen Halter sollen angeschrieben werden.

Sind auch andere Marken des Konzerns betroffen?
Der EA 189 ist nach Angaben eines Volkswagen-Sprechers zwischen 2009 und 2014 in Modellen von VW, Audi und Skoda verbaut worden. Widersprüchliche Angaben gibt es bislang, ob auch die Konzernmarke Seat betroffen ist. Gefertigt wurden die Motoren unter anderem in den Werken Salzgitter, im polnischen Polkowice und im ungarischen Györ. In Geschäftsberichten berichtet die VW-Tochter Skoda beispielweise darüber, 68.892 EA-189-Motoren im Jahr 2013 gebaut zu haben und fast 100.000 Stück im Jahr 2014.

Audi teilte am 28. September mit, dass bei ihr weltweit 2,1 Millionen Fahrzeuge betroffen seien. In der Region Westeuropa gehe es um 1,42 Millionen Wagen, in Deutschland um 577.000. In den USA betreffe die Manipulation der Abgastechnik rund 13.000 Fahrzeuge. Betroffen sind Fahrzeuge fast aller Baureihen, denn mit dem Motor wurden sowohl A1, A3, A4, A5 und A6 als auch der Roadster TT sowie die Sportgeländewagen Q3 and Q5 ausgestattet.

Was heißt überhaupt „EA 189“?
Die Abkürzung ist eine VW-interne Bezeichnung. Die Buchstaben „EA“ bedeuten „Entwicklungsauftrag“.

Welche Wagen sind in den USA betroffen?
Die Umweltbehörde des Landes glaubt, dass die Abgaswerte von 482.000 Dieselfahrzeugen im Land nicht mit den auf Prüfständen gemessenen Werten übereinstimmen. In den USA sind die Modelle Jetta, Golf, Beetle, Passat und der Audi A3 betroffen, die zwischen 2009 und 2015 gebaut wurden.

Wie finde ich heraus, ob ein „EA 189“ in meinem Auto arbeitet?
In der Pressemitteilung von Volkswagen am 22. September gab es dazu keine Auskunft, an der detaillierten Motorenliste wurde noch gearbeitet. Nach ersten Einschätzungen des Auto-Club Europas zufolge hat der Verbraucher keine Möglichkeit, selbstständig herauszufinden, ob er betroffen ist. Es bleibe letztlich nur die Möglichkeit, mit dem Auto zum Händler zu fahren und den Fahrzeugschein vorzulegen. „Der Verbraucher kann das nicht selbst feststellen“, so Klaus-Michael Schaal vom Auto Club Europa (ACE).

Volkswagen hatte am Dienstag gesagt, dass die Komplettproduktion des Motors betroffen sei – am Donnerstag klang das dann weniger bestimmt. Im Fahrzeugschein stehe aber im Feld 14, ob der Motor die Euro-5-Norm erfüllt.

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Der betroffene Motor wird nicht mehr hergestellt

Kommentare zu " Volkswagen und der EA 189: Habe ich einen VW-Schummelmotor?"

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  • Sehr geehrter Hr. Otto,

    GM hatte fahrlässig gehandelt, es handelte sich um einen Konstruktionsfehler. Ausserdem musste auch GM eine hohe Strafe zahlen. VW hat vorsätzlich betrogen, die EPA gab über ein Jahr Zeit zum nachbessern, die Grenzwerte wurden um das 30fache überschritten. Es wurden zigtausend Tonnen zusätzliche Schadstoffe allein nur in den USA in die Luft geblasen. Und ja auch an Feinstaub und NOX sterben Menschen. Man kann nur nicht so genau beziffern wie viele. Soll die EPA deswegen ein Auge zudrücken oder wie? Und was das ganze jetzt mit amerikanischer Aussenpolitik zu tun hat erschliesst sich mir nicht ganz. Seien sie lieber froh das in den USA noch Verbraucherschutz vor Unternehmerschutz steht. In der EU ist es umgekehrt. Das die Diesel hierzulande in normalen Fahrbetrieb viel zu viel Dreck ausstossen ist shcon lange bekannt, getan wurde nichts. Es gibt bei uns auch keine unabhängigen Prüfinstitutionen mit umfangreichen Vollmachten wie die EPA.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • sorry, ich muss mich korrigieren

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    Defekte Zündungen - Experten vermuten 300 Tote

    Bittere Erkenntnis bei General Motors: Durch defekte Zündschlösser ist es offenbar zu zahlreichen Unfällen mit Todesfolge gekommen. Nun hat sich die Konzernchefin dafür entschuldigt.

    <<<<<<<<

    Bei kleinen Betrügereien muss ein deutsche VV gehen

    Bei 300 Toten (USA) entschuldigt man sich und die Sache ist gut. Aber ein Land, was die Welt mit Kriegen überzieht, was noch immer die Todesstrafe vollstreckt, da gelten natürlich andere Normen.

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