VW-Anlegeranwalt im Interview
„Wir werden von Investoren überrannt“

Weltweit machen Juristen gegen VW mobil. Eine niederländische Stiftung vertritt Profi-Anleger, die einen zweistelligen Milliarden-Euro-Betrag in VW-Aktien investiert haben. Anwalt Eric Breiteneder sagt, wie VW reagiert.

Eric Breiteneder leitet eine Kanzlei in Wien. Der Österreicher hat sich auf die Rechte geprellter Geldanleger spezialisiert. Unter seinen Standesgenossen pflegt er weltweit beste Kontakte. Derzeit verritt er im Verbund mit anderen europäischen Kanzleien die „Stichting Volkswagen Investors Claim“, eine Stiftung nach niederländischem Recht, die Ansprüche von Aktionären im „Dieselgate“-Skandal gegen den VW-Konzern sichern soll. Neben Privatanlegern machen jetzt auch Profi-Investoren aus der ganzen Welt bei der Stiftung mit. Sie hoffen auf einen Vergleich, der VW teuer zu stehen kommen könnte.

Herr Breiteneder, Sie gehen als Vertreter einer niederländischen Stiftung gegen VW vor. Wer hat sich bislang gemeldet?
Bislang meldeten sich vor allem Kleinanleger, die über internationale Investorenschutzorganisationen zu uns kamen. Dazu zählt etwa die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Seit einigen Wochen werden wir aber von Profi-Investoren geradezu überrannt.

Welche Gesellschaften wenden sich an Sie?
Die Stiftung ist zur Diskretion verpflichtet. So viel kann ich aber sagen: Es sind Fondsgesellschaften, private Vermögensverwalter, Pensionsfonds oder Versicherer. Diese haben knapp 13 Milliarden Euro in Volkswagen investiert. Sie kommen aus 26 Nationen, neben Europa sind auch institutionelle Investoren aus Malaysia, Bermuda, den Philippinen und Hongkong vertreten

Wie hoch sind die Investments dieser Investoren?
Oft im neun- bis zehnstelligen Eurobereich. Ein philippinischer Fonds ist mit knapp 190 Millionen Euro in VW investiert, ein US-Versicherer mit knapp 142 Millionen Euro, ein Aktienfonds aus Oklahoma mit 2,3 Milliarden Euro. Wir vertreten auch eine Non-Profit-Organisation aus Nordamerika, die gut 3,3 Milliarden Euro investiert hat. Die Mandanten besitzen VW-Aktien, sowohl Stämme wie auch Vorzüge, aber auch Anleihen. Auch Porsche und Audi sind betroffen.

Von welchem Schaden gehen Sie aus?
Die Rechtslage in der Europäischen Union ist eindeutig: Kursrelevante Insiderinformationen muss der Emittent unverzüglich veröffentlichen. Wir rechnen pro Aktie mit Schäden von 56,79 Euro bei den Stämmen und 65,17 Euro bei den Vorzügen bei VW. Bei der Audi AG beträgt der Schaden 140,90 Euro pro Aktie, bei der Porsche SE 22,34 Euro pro Aktie.

Auch deutsche Kanzleien vertreten Investoren, die Milliardensummen investiert haben. Ebenso US-Kanzleien. Warum sollten die Profi-Investoren den Umweg über eine niederländische Stiftung gehen?
Beim niederländischen Stiftungsgedanken steht der Vergleich im Mittelpunkt. Wir haben VW angeschrieben und einen Vorschlag für eine gütliche Einigung gemacht. Der Vorteil für das Unternehmen: Es gibt keinen langwierigen Rechtsstreit und alle Forderungen werden pauschal abgegolten. Der Vorteil für die geschädigten Investoren: Sie können gemeinsam, schnell und kostengünstig einen angemessenen Ausgleich erhalten.

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