Wegweiser Finanzberatung
Schleichwerbung für Honorarberater

Bekannt machen, aber bloß nicht bewerben. So könnte der Auftrag für ein neues Internetportal zum Thema Finanzberater gelautet haben. Was Politiker nicht wagen, fordern die Verbraucherschützer: eine offensive Empfehlung.
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DüsseldorfWas macht eigentlich ein Honorarberater? Und ein Makler? Ein Vertreter? Ein Bankberater? Sie alle haben irgendwie mit Geldanlage zu tun – das ist wohl den meisten Verbrauchern klar. Was genau den Kunden erwartet, wenn er zu diesen Beratern geht, kann aber kaum jemand erklären. Der Wegweiser Finanzberatung soll diese Wissenslücke schließen. Gefördert wird das Projekt durch das Bundesministerium für Verbraucherschutz und kommt beinahe pünktlich zum Inkrafttreten des Honoraranlageberatungsgesetzes.

Sparen können die Deutschen. Aktuell verfügen sie über ein Vermögen von insgesamt mehr als sechs Billionen Euro. Doch ist das Geld erst einmal auf ihrem Konto, wissen viele nicht, wie sie es gewinnbringend anlegen können. Häufig bleibt es einfach auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto liegen – und verliert durch die Inflation nach und nach an Wert. Profi-Investoren raten stets zu einer breit aufgestellten Anlage in Wertpapiere. Aber beim Thema Aktien packt viele Deutsche das Grauen und sie denken an die Verluste zurück, die ihnen einst der Neue Markt bescherte.

Geld verloren haben viele aber auch durch Vermögensanlagen, von denen am Ende vor allem der Berater profitierte. Lebensversicherungen, geschlossene Fonds oder Genussscheine sind typische Produkte, mit denen Vermittler hohe Provisionen einstreichen, die dem Kunden aber häufig wenig Rendite bringen oder hohe Verluste bescheren. „Dieses Provisionssystem ist vielen Verbrauchern noch immer nicht bewusst, sie vertrauen darauf, dass der Berater es gut mit ihnen meint“, sagt Dorothea Mohn, Leiterin des Teams Finanzen beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). „Die sinnvollste Schutzmaßnahme ist deshalb ein Verbot der Provisionen.“

Dazu konnte sich die Bundesregierung allerdings noch nicht durchringen: „Die Beratung auf Provisionsbasis ist in Deutschland etabliert und wird von vielen Verbrauchern auch nachgefragt“, sagt Ulrich Kelber, Parlamentarischer Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium (BMJV). Änderungsbedarf sieht er zwar: „Wir wollen, dass sich die Honorarberatung zu einer echten Alternative entwickelt und unterstützen dies dadurch, dass wir einen geeigneten rechtlichen Rahmen schaffen.“ Die Entscheidung, ob eine Beratung auf Provisions- oder Honorarbasis in Anspruch genommen werde, „soll aber weiterhin beim einzelnen Verbraucher liegen“.

Dieser Grundgedanke spiegelt sich auch im Wegweiser Finanzberatung wider. Für die redaktionellen Inhalte ist zwar das Institut für Finanzdienstleistungen (iff) aus Hamburg zuständig, doch das BMJV fördert das Portal und hat den inhaltlichen Rahmen vorgegeben. Die unterschiedlichen Beratertypen werden dort sachlich und weitgehend wertfrei dargestellt. Erklärtes Ziel: Der Leser soll in die Lage versetzt werden, einen für sich geeigneten Beratertyp zu finden.

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