Wenn Verbraucherschützer rot sehen
Eine Ampel für Anlageprodukte

Rot bedeutet: Achtung Gefahr." Jedes Kind weiß, dass es an einer roten Ampel stehen bleiben muss. Verbraucherschützer wollen das Ampel-Prinzip auf Anlageprodukte übertragen. Der erste Versuch brachte der Verbraucherzentrale Hamburg allerdings harsche Kritik ein.
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FRANKFURT. Bezogen auf Versicherungen urteilt der Mannheimer Professor Peter Albrecht: "Die Argumente sind wissenschaftlich nicht fundiert, widersprechen wirtschaftlichen Fakten und verlassen insgesamt den Boden der Objektivität."

Der Aufreger für eine ganze Branche findet sich auf Seite 16 der Broschüre "Ampelcheck Geldanlage". Autorin Edda Castello sieht dort rot - mit ein paar Gelbtönen. Was soviel bedeutet wie: "Ein Risiko oder ein Nachteil ist vorhanden." Den größten Stich versetzt die wackere Verbraucherschützerin der Anlagekategorie "Kapital-Lebensversicherung, Private Rentenversicherung (auch fondsgebunden), auch Riester-Versicherungsvertrag" mit der Schlussfrage: Geeignet für die Altersvorsorge? "Nein". So pauschal verurteilt Castello keine andere Kategorie in ihrer 44 Seiten-Broschüre, die 4,90 Euro kostet. Besser weg kommen Aktien, Aktienfonds, Zertifikate, geschlossene Fonds, Immobilien, Gold, Briefmarken, Bilder, Kunst und Antiquitäten.

Für den Wissenschaftler Albrecht liefert die Farbenlehre von Castello so viele Angriffspunkte, dass er auf 22 Seiten zum Gegenschlag ausholt. In der Versicherungsbranche freuen sich nun viele über Sätze wie diesen: "Ist der Verbraucherzentrale Hamburg tatsächlich entgangen, dass der Dax im Jahr 2008 erneut abgestürzt ist, wobei diesmal ein Minus von 40,37 Prozent zu verzeichnen war? Und dass es andererseits bei beiden Krisen es keinen einzigen deutschen Lebensversicherer gegeben hat, der seinen Garantieversprechen aus den Versicherungsverträgen nicht nachgekommen ist?"

Albrecht moniert reihenweise "Ungereimtheiten". So werde der weitgehend sichere Konkursschutz bei der Eingruppierung unerklärlicherweise völlig ausgeblendet. Eine Rolle spielten nur noch die möglichen Kursverluste bei einer Untergruppe von Versicherungsverträgen, den Fondspolicen.

Oder Aktienfonds: Sie trügen das gleiche Kursverlustrisiko wie fondsgebundene Versicherungen. Dies sei nicht nur im Vergleich von Aktienfonds und fondsgebundenen Lebensversicherungen völlig unverständlich. Das Vorgehen habe die "groteske Folge, dass Aktienfonds eine bessere Sicherheitseinstufung als Kapital-Lebensversicherungen und private Rentenversicherungen erhalten", also Produkte mit ordentlichen Garantien. Auch die Renditebewertungen hält der Wissenschaftler für nicht haltbar. Versicherungspolicen könnten da mit der Fondsanlage durchaus mithalten, überträfen sie in vielen Fällen aktuell sogar. Castello dagegen qualifiziert die Rendite von Versicherungsprodukten als "durchweg mäßig" oder "mäßig". Das werde durch die wirtschaftliche Realität widerlegt, urteilt Albrecht.

Sein Gesamturteil ist vernichtend: "Die Gefahr ist groß, dass der durchschnittliche Leser ein falsches Gesamtbild vermittelt bekommt und damit eher in die Irre geführt wird." Süffisant fragt er zuletzt: "Wer schützt eigentlich die Verbraucher vor dem Rat der Verbraucherschützer?"

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