Windenergie
Prokon-Gründer tritt nach

Einen Tag vor der Gläubigerversammlung macht der Gründer des insolventen Unternehmens Prokon noch einmal Stimmung gegen den Insolvenzverwalter und will Genussrechtsinhaber auf seine Seite ziehen.
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DüsseldorfEs wirkt wie ein letztes, verzweifeltes Aufbäumen. Kurz vor der Gläubigerversammlung am Dienstag holt der Gründer des insolventen Windenergieunternehmens Prokon noch ein Mal zum Schlag gegen den Insolvenzverwalter aus. Im Kern geht es bei der Auseinandersetzung jetzt um die Stimmen der Anleger, denn als Gläubiger dürfen sie am 22. Juli über die Zukunft des Unternehmens abstimmen. Noch bis zum Montagabend können sie ihr Stimmrecht auch einem Bevollmächtigten übertragen, der dann vor Ort in ihrem Namen abstimmt.

In einem offenen Brief wirft Prokon-Gründer Carsten Rodbertus dem Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin unter anderem vor, eine öffentliche Schlammschlacht hervorgerufen zu haben. Der Verwalter habe ihn öffentlich als Feindbild dargestellt, zugleich aber versäumt, nachhaltig mit den Gläubigern, insbesondere den Genussrechtsinhabern von Prokon zu kommunizieren. Penzlin nutze einzelne Gläubigergruppen für seine Kommunikation und bevorteile sie, indem er ihnen Informationen zukommen lasse.


75.000 Anleger hatten insgesamt 1,4 Milliarden Euro in Prokon-Genussrechte investiert und auf Zinsen zwischen sechs und acht Prozent gehofft. Am 1. Mai dieses Jahren war das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Prokon Regenerative Energien GmbH eröffnet worden, weil das Unternehmen nach Gerichtsangaben überschuldet und zahlungsunfähig war. Prokon hat mehr als 50 Windparks im Portfolio. Die Firma ist auch an verschiedenen anderen Projekten im Bereich der erneuerbaren Energien beteiligt. Zwischenzeitlich hatte sie etwa 480 Arbeitnehmer.

Mit seinem Brief reagiert Rodbertus auf ein Schreiben Penzlins, mit dem sich dieser am vergangenen Dienstag an die Anleger gewandt hatte. Der Insolvenzverwalter inzwischen zahlreiche Fürsprecher gefunden, darunter die angesehenen Anlegerschützer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) und der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Auch die Freunde von Prokon, die zunächst noch zum Prokon-Gründer gehalten hatten, haben sich inzwischen Penzlin anvertraut.


Rodbertus wirft Penzlin in dem Brief „unzulässige und unwahre Diskreditierung“ vor. So stütze sich der Verwalter lediglich auf Indizien, etwa auch bei dem Vorwurf der Insolvenzverschleppung. Für die Version Penzlins dürfte aber sprechen, dass inzwischen auch die Staatsanwaltschaft Lübeck wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung und anderer möglicher Wirtschaftsdelikte gegen Rodbertus ermittelt.

Kommentare zu " Windenergie: Prokon-Gründer tritt nach"

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  • So oder So ist das Geld der Anleger weg. Die Erneuerbare Energie Mafia hat ihr Geschäftmodell der Abzock auf den Rücken der Bevölkerung (Investoren) aufgebaut.
    Energiewende/EEG = Armut und Mangel!
    Carsten Rodbertus ist und bleibt eine Person die per EEG und dieser grünen-ethischen Energiewende die Menschen abzockt.

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