Windparkbetreiber
Einigung über Prokon-Zukunft

Das insolvente Windenergie-Unternehmen Prokon wird weitergeführt und nicht zerschlagen. In einem Insolvenzplan soll unter anderem der Verkauf einzelner Unternehmensteile geregelt werden.
  • 2

HamburgDer insolvente Windparkbetreiber Prokon soll saniert werden. Drei große Gläubigergruppen entschieden sich einhellig gegen eine Zerschlagung des Unternehmens und den Verkauf des gesamten Windpark-Bestandes, wie Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin am Donnerstag mitteilte. Sie hielten eine Fortführung von Prokon für günstiger. Daher soll der Gläubigerversammlung am 22. Juli vorgeschlagen werden, Penzlin mit der Entwicklung eines Insolvenzplanes zu beauftragen.

Die drei Gläubigergruppen, die mit am Tisch saßen, sind die „Freunde von Prokon“, ein Verein von mehr als 7000 Genussrechts-Anlegern, die an eine Zukunft des Wind-Unternehmens glauben, sowie die Kleinaktionärsvereine SdK und DSW. Nach dem Sanierungskonzept haben die 75.000 Genussrechts-Inhaber die Wahl: Sie können ihre Papiere in Eigenkapital umwandeln, also echte Gesellschafter von Prokon werden. Ein weiterer Teil der Genussrechte soll in eine handelbare Anleihe umgewandelt werden, über die windkraft-müde Anleger aussteigen können.

Prokon-Teile, die der Insolvenzverwalter nicht mehr zum Kerngeschäft zählt, sollen verkauft werden. Zu Prokon gehören unter anderem ein Biodiesel-Hersteller in Magdeburg und ein Sägewerk, das Holzpaletten produziert. Die Verkaufserlöse sollen nach dem Plan an die Gläubiger ausgeschüttet werden. Wer will, könne auch dieses Geld als Eigenkapital ins Unternehmen stecken.

Die 1995 gegründete Prokon beschäftigt 1300 Mitarbeiter. Das Amtsgericht Itzehoe hatte im Mai das Insolvenzverfahren über die Prokon Regenerative Energien GmbH eröffnet. Die übrigen Teile des Konzerns mit mehr als 800 Mitarbeitern sind nicht betroffen. 75.000 Anleger, die Prokon in der Hoffnung auf hohe Renditen 1,4 Milliarden Euro an Genussrechtskapital zur Verfügung gestellt hatten, bangen nun um ihr Geld. Sie werden nach Schätzungen des Insolvenzverwalters mindestens 40 Prozent ihrer Einlagen in den Wind schreiben müssen.

Die Prüfung der Insolvenz hatte sich lange hingezogen, weil erst mit Gutachten geklärt werden musste, ob die Genussrechts-Inhaber überhaupt als Gläubiger eingestuft werden könnten. Prokon hatte sich fast ausschließlich über diese Papiere finanziert. Als viele Zeichner aussteigen wollten, wurde es eng: Gekündigte Genussrechte im Volumen von 368 Millionen Euro ließen die fälligen Verbindlichkeiten auf 391 Millionen steigen, doch in der Kasse waren nur noch 19 Millionen Euro.

Firmengründer Carsten Rodbertus hatte die Anleger vergeblich aufgefordert, ihr Geld im Unternehmen zu lassen. Nach Feststellungen des Gerichts ist Prokon auch überschuldet: Einem Vermögen von 1,05 Milliarden Euro stehen bei Prokon 1,53 Milliarden Euro Schulden gegenüber.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Windparkbetreiber: Einigung über Prokon-Zukunft"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Jeder soll die Luftschlösser bauen dürfen, die er meint errichten zu sollen, aber bitte nicht zu Lasten der Allgemeinheit, sondern durch eigenen Erfolg. Dies ist bei den sog. „Erneuerbaren“ auf ganzer Linie nicht gegeben und deshalb wundert es mich, daß man diese Firma nicht sterben läßt und die Allgemeinheit vor weiterem Schaden bewahrt. Es sind ja nicht nur die Anleger betroffen, die diesem Schwindel aufgesessen sind, sondern auch weiterhin die Stromkunden, die über das EEG massiv zur Kasse gebeten werden. Die EFI- Studie 2014 kommt, das EEG betreffend, zu folgendem Schluß, Zitat
    „Die Expertenkommission kommt zu dem Schluss, dass das EEG weder ein kosteneffizientes Instrument für Klimaschutz ist noch eine messbare Innovationswirkung zu entfalten scheint. Aus diesen beiden Gründen ergibt sich deshalb keine Rechtfertigung für eine Fortführung des EEG.“
    Wäre dieses unsägliche Abzockergesetz beseitigt, gäbe es Firmen wie Prokon und andere nicht, weil sie nicht mehr üppig „gefördert“ würden. Wofür eigentlich? Die Uralttechniken, die einem breiten Publikum als „hightech“ verkauft wird, ist lowtech, ineffizient und ressourchcenverbrauchend ohne Mehrwert zu generieren.

  • Da sitzen ja die richtigen Experten zusammen. Bin mal gespannt mit welchen zukünftigen Geschäftsmodell diese Experten diesen Schneeball Verein von Prokon aufrecht halten wollen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%