Windparkfinanzierer Bafin wusste 2009 von Finanzlage bei Prokon

Die Finanzaufsicht Bafin war bereits mehrere Jahre über die Finanzlage des inzwischen insolventen Windparkfinanzierers Prokon informiert. Die Behörde bestätigte damit einem Bericht des Handelsblatts.
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Eine Filiale des Windanlagenfinanzierers Prokon in Hannover. Die BaFin zwang 2008/09 Prokon zu einer Änderung der Rechtsform. Nach Ansicht der Aufseher betrieb das Unternehmen ein erlaubnispflichtiges Bankgeschäft. Quelle: dpa

Eine Filiale des Windanlagenfinanzierers Prokon in Hannover. Die BaFin zwang 2008/09 Prokon zu einer Änderung der Rechtsform. Nach Ansicht der Aufseher betrieb das Unternehmen ein erlaubnispflichtiges Bankgeschäft.

(Foto: dpa)

BonnDie deutsche Finanzaufsicht Bafin war vor mehreren Jahren darüber informiert, dass der inzwischen insolvente Windparkfinanzierer Prokon Altanleger mit dem Geld neuer Anleger auszahlte. Ein Sprecher der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht bestätigte der Nachrichtenagentur AFP einen Bericht der Online-Ausgabe des „Handelsblatts“, wonach die Behörde im Jahr 2009 von dieser Vorgehensweise wusste. Nach Auffassung der Bafin sei das Geschäftsgebaren von Prokon durch die Beschreibung im Genussrechte-Prospekt der Firma gedeckt gewesen.

Die Bafin hatte Prokon 2008/09 zu einer Änderung der Rechtsform gezwungen, da das Unternehmen nach Ansicht der Aufseher ein erlaubnispflichtiges Bankgeschäft betrieb. Prokon finanzierte seine Windparks bis dahin mit dem Verkauf von Fonds-Anteilen an einer Kommanditgesellschaft. Diese Fonds musste Prokon dann abwickeln. Zur Auszahlung fehlte dem Ökostromfinanzierer laut „Handelsblatt“ aber das Geld. Das Unternehmen habe der Bafin beispielsweise mitgeteilt, dass das Eigenkapital des Fonds Energy III negativ und die Windparks an die Banken verpfändet seien.

Später organisierte Prokon die Ausgabe von Genussrechten, die dem sogenannten grauen Kapitalmarkt zuzurechnen sind. Hier greifen vergleichsweise wenige Regulierungsvorgaben. Der Prospekt zur Ausgabe der Genussrechte musste der Bafin zur Prüfung vorgelegt werden. Diese prüfte die Unterlagen nach eigenen Angaben nur auf Vollständigkeit. „Wir können und dürfen nicht die Richtigkeit der Angaben überprüfen“, sagte der Sprecher.

Dass Prokon die Auszahlung der Altanleger finanziert habe, indem neue Anleger akquiriert wurden, sei der Behörde bekannt gewesen. Sie habe dieses Vorgehen jedoch durch die zum Teil sehr allgemein formulierten Angaben in dem Prospekt für abgedeckt angesehen. Für eine weitere Kontrolle sei die Bafin „schlicht und einfach nicht zuständig“, sagte der Sprecher.

Prokon hatte im Januar vorläufigen Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen hatte durch den Verkauf von Genussrechten etwa 1,4 Milliarden Euro von rund 75.000 Anlegern eingenommen. In den vergangenen Wochen hatten viele Anleger aber begonnen, ihre Einlagen zurückzufordern, was Prokon in Turbulenzen stürzte. Nach eigenen Angaben konnte das Unternehmen zuletzt keine Rück- oder Zinszahlungen mehr leisten.

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7 Kommentare zu "Windparkfinanzierer: Bafin wusste 2009 von Finanzlage bei Prokon"

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  • "Ich kann nicht nachvollziehen warum ständig Dritte für die Dummheit der Verbraucher verantwortlich gemacht werden."

    Weil es deren Job ist!

    Wenn Sie vorschlagen, die BaFin abzuschaffen, weil sie ihren Job nicht macht, dann halte ich das für konsequent.

    Für mich ist das, was hier passiert ist und passiert schlichtes Organisationsverschulden der BaFin-Leitung. Wenn der Bundesfinanzminister etwas auf sich hält, dann schickt er die Versicherungslobbyiistin in die Wüste.

  • Wer auf solche Angebote reinfällt ist doch selber schuld! So viel Dummheit muss bestraft werden! Gier frisst Hirn! Da kann weder die BaFin noch wer anders was für, nur der Anleger selbst.
    Ich kann nicht nachvollziehen warum ständig Dritte für die Dummheit der Verbraucher verantwortlich gemacht werden.

  • Wenn es die Bafin wirklich ernst meint und das Versagen im Fall Prokon wiedergutmachen will, sollte sie umgehend das Unternehmen "German Pellets" überprüfen, ob deren Zahlen stimmen. Denn : auch dieses Unternehmen wirbt mit 8 Prozent Rendite im Bereich der alternativen Energie. und es gibt sicher noch mehr Beispiele wo mit verdächtig hohen "sicheren" Renditen von 8 oder mehr Prozent geworben wird, obwohl Banken Kredite bereits für weniger als 4 Prozent anbieten. Aber vielleicht fehlt es an der Bonität/Seriosität oder Tragfähigkeit des Geschäftsmodells ?

  • Oder der dumme Verbraucher, der sich in seiner Gier Anlagen aufschwatzen lässt von dene er keine Ahnung. Und wenn was schief geht sind immer die anderen Schuld. Willkommen in Deutschland! Kann hier nichtmal einer zu seinen eigenen Fehlern stehen? Immer muss ein Sündenbock her.

  • Wer ist denn jetzt der größte Betrüger?

    Der Täter oder der, der Hilfestellung gegeben hat? Oder gar der, der keine Dienstaufsicht ausgeübt hat?

  • "„Wir können und dürfen nicht die Richtigkeit der Angaben überprüfen“, sagte der Sprecher."

    Dafür fehlt er abgewatscht!

    Dafür fehlen alle in der Kette nach oben abgewatscht. Die Aussage besagt doch nichts anderes, dass eben dieser "graue Markt" erst mit den Maßnahmen der BaFin in seiner Bedeutung geschaffen wurde, obwohl dies vorgab ihn bekämpfen zu wollen.

    Der Fall sollte wegen Korruptionsverdacht näher untersucht werden.

    Entweder waren hier einige korrupt oder sie waren zu blöde, das Geld zu verlangen. Das Ergebnis ist nach beiden Prüfungen gleich!

  • "Die deutsche Finanzaufsicht Bafin war vor mehreren Jahren darüber informiert, dass der inzwischen insolvente Windparkfinanzierer Prokon Altanleger mit dem Geld neuer Anleger auszahlte. Ein Sprecher der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht bestätigte der Nachrichtenagentur AFP einen Bericht der Online-Ausgabe des „Handelsblatts“, wonach die Behörde im Jahr 2009 von dieser Vorgehensweise wusste. Nach Auffassung der Bafin sei das Geschäftsgebaren von Prokon durch die Beschreibung im Genussrechte-Prospekt der Firma gedeckt gewesen."

    Der Bundesfinanzminister übt die Dienstaufsicht über die BaFin aus.

    Was hat er veranlasst nach Kenntnisnahme dieses Statements?

    Weshalb hat er davon erst jetzt erfahren?
    Wenn er es auch schon früher erfahren hatte, muss auch er gehen.

    Wenn er es auch erst jetzt erfahren hat, muss er gehen, weil der es nicht verstand eine Kontrolle derart zu involvieren, dass derartige Vorkommnisse erst gar nicht zustande kommen. Die BaFin versuchte selbst vor nicht allzu langer Zeit dem Vorstand der Deutschen Bank, nebst Aufsichtsrat einen "Schweineschwanz" wegen Organisationsverschulden anzuhängen.

    Das hier ist grundsätzlich nichts anderes, in der Sache nur noch dreister.

    Wir haben in Deutschland auf breitester Front ein Kontroll- und Aufsichtsversagen!

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