Wirtschaft & Finanzen
"Back to square one" - der kontinuierliche Niedergang der Limited

Die Limited galt in Deutschland als das Zukunftsmodell der Gesellschaftsform. Doch von Anfangserfolgen abgesehen, ist der Durchbruch nicht gelungen. Im Gegenteil: Inzwischen ist die Zahl der Unternehmen, die sich für die Limited entscheiden, schon wieder klar auf dem Rückzug.



Als der EuGH 2003 mit "Inspire Art" den europäischen Wettbewerb der Unternehmensrechtsformen voll eröffnete, wurde der Limited ein unaufhaltsamer Siegeszug vorhergesagt. Eine "Limited-Welle" werde den Kontinent überrollen und die Limited zur europäischen "Delaware" machen. Für Deutschland wurden "Zehntausende Limiteds" jährlich erwartet und der GmbH der sichere Niedergang prophezeit. Trotz früher Mahnungen, Anfangserfolge seien nicht notwendig Dauererfolge und die extrem hohe Frühsterblichkeit der Limited würde in absehbarer Zukunft zu mehr Abmeldungen als Anmeldungen führen, nahm das MoMiG ab November 2008 mit der mindestkapitalfreien Unternehmergesellschaft den — nachahmenden — Wettbewerb mit der Limited auf. Wie haben sich nun tatsächlich An- und Abmeldungen sowie Insolvenzen von Limiteds im Vergleich zur GmbH und Unternehmergesellschaft in Deutschland entwickelt?

Limited: Mehr Ab- als Anmeldungen in Deutschland

Die Gewerbeanmeldungen der Limiteds hatten nach Anfangserfolgen bereits im März 2006 mit 826 Anmeldungen ihren Höhepunkt erreicht. Sie sind seitdem kontinuierlich und deutlich zurückgegangen. Zugleich stiegen die Gewerbeabmeldungen auffällig früh an. Bereits im März 2006 erreichten sie mit 236 das Niveau der monatlichen Anmeldungen zwei Jahre zuvor. Den offensichtlich wenig überlegten und drastisch unterkapitalisierten Gründungen verweigerten die Banken deren Finanzierung. Die monatlichen Abmeldungen haben sich inzwischen verdoppelt. Schon zum Jahreswechsel 2007 auf 2008 hatten sie fast die Höhe der Anmeldungen erreicht und haben sie dann beim letzten Jahreswechsel überschritten. Seit Januar 2009 zeigt sich jetzt auch innerjährlich: Die Abmeldungen übersteigen konstant und massiv die Anmeldungen. Der einst beachtliche positive monatliche Gründungssaldo von An- und Abmeldungen (März 2006: 591) ist seit drei Monaten deutlich negativ. "Back to square one": Die Limited ist in Deutschland auf dem klaren Weg zurück zum Niveau vor "Inspire Art".


Deutsche Unternehmergesellschaft als Gewinner im Wettbewerb der Rechtsformen?

An dieser Entwicklung hat die seit November 2008 verfügbare Unternehmergesellschaft einen gewissen Anteil, sie hat den Niedergang der Limited in Deutschland aber nicht bewirkt, sondern einen bestehenden Trend nur noch verstärkt. Beschränkt man die Datenanalyse auf den Wendepunkt im März 2006 (826 An- und 237 Abmeldungen) bis Oktober 2008 (454 An- und 387 Abmeldungen), zeigt sich nämlich, dass sich die "Schere" von mehr Abmeldungen als Anmeldungen ohnehin geöffnet hätte. Die Unternehmergesellschaft mag - allenfalls - das monatliche Niveau von An- und Abmeldungen nach unten bzw. oben verstärkt und so den Schnittpunkt beider Trendlinien um 2 bis 3 Monate vorverlegt haben. Weniger Gründungen und mehr Aufgaben können zudem durch die aktuelle Wirtschaftskrise bedingt sein, die 2009 auch die Realwirtschaft erreicht hat. Diesem Befund entspräche auch der extrem geringe und proportional ziemlich gleichbleibende Anteil derjenigen Limiteds, die nicht eine Vollaufgabe ihres Gewerbes, sondern einen Rechtsformwechsel (März 2009: 25) meldeten. Einige davon könnten vielleicht zur Unternehmergesellschaft gewechselt sein. Weitaus mehr führt der Weg in die Insolvenz: im April 2009 sind die GmbH-Insolvenzen gegenüber dem Vorjahresmonat um 17,5, die der Limited dagegen um 72,3 (!) gestiegen. Mindestkapitalfreie Gründungen a la Limited - so zeigen diese Daten gleichzeitig - scheitern früh und komplett, und nicht etwa werden überlebensfähige Unternehmen wegen der beschwerlicheren Bilanzvorlage beim britischen Companies House nur der Rechtsform nach aufgegeben.

Bei Gründungserfolgen ist Skepsis angesagt

Die derzeit beachtlichen Gründungserfolge der Unternehmergesellschaft mit fast 10.000 Gründungen in den ersten 6 Monaten dürften zulasten der klassischen GmbH und einzelkaufmännischer Gründungen gehen. Im Rechtsformwettbewerb hat das MoMiG mit der Unternehmergesellschaft bereits jetzt das Potential ökonomisch unfundierter und von Frühsterblichkeit bedrohter Gründungen - 80 der Unternehmergesellschaften haben ein Stammkapital von unter 1000 € (Verf., S:R 2009 S. 74) - massiv erhöht. Das Problem ist jetzt freilich ein deutsches Problem, und die Rechtsprechung sieht sich - in den Worten Goettes - nicht als Reparaturbetrieb erkennbarer gesetzgeberischer Fehlentwicklungen. Das Unternehmergesellschafts-Modell allgemein (vgl. Antwort der Bundesregierung BT-Drs. 16/10739, Ziff.5) und besonders diese Entwicklung wird weiter zu beobachten sein. Auch die Unternehmergesellschaft muss bekanntlich Bilanz legen.

Der Autor ist RA Dr. Wilhelm Niemeier(Weiler/Frankfurt), DER BETRIEB

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%