Wölbern-Chef Schulte
Ein Finanzdoktor steht vor Gericht

Prozessauftakt in Hamburg: Der Wölbern-Chef Heinrich Maria Schulte soll 147 Millionen Euro aus geschlossenen Fonds abgezweigt haben. Der Chef hält sich am ersten Verhandlungstag jedoch bedeckt.
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HamburgFast scheint es, als würde Heinrich Maria Schulte die Verhandlung gar nicht betreffen. Wie ein routinierter Arzt, der einem Patienten gerade eine tödliche Diagnose gestellt hat, blickt er in den Saal des Hamburger Landgerichts: Die Lippen zusammengepresst, die Augen eiskalt.

Dabei steht der 60-Jährige im Mittelpunkt eines millionenschweren Anlageskandals. Der Zuschauerraum ist an diesem Montag bis auf den letzten Platz besetzt. Insgesamt 40.000 Anleger haben Schulte ihr Geld anvertraut. Sie investierten in die Fonds von Wölbern Invest – einst ein renommierter Anbieter geschlossener Beteiligungen.

Doch Schulte soll die Anleger getäuscht haben, so Staatsanwalt Heyner Heyen. Die Anklage lautet auf Untreue in 360 Fällen. Nun drohen dem Medizinprofessor laut Gesetz bis zu zehn Jahre Haft. Viele Wölbern-Fonds kämpfen ums Überleben, Anleger fürchten herbe Verluste.

Eine Dreiviertelstunde dauert es am Montagmittag, bis Heyen sämtliche Überweisungen vorgelesen hat, mit denen Schulte Geld aus den Wölbern-Fonds auf das Konto einer niederländischen Gesellschaft transferiert haben soll: Eine Viertelmillion hier, eine halbe Million da – am Ende sollen so die 147 Millionen Euro aus den Fonds der Wölbern Invest verschwunden sein. 40 Millionen Euro soll Schulte auf sein Privatkonto überwiesen haben.

Schulte selbst wollte sich am Montag nicht zu den Vorwürfen äußern. Er hatte sie zuvor stets zurückgewiesen. Stattdessen sprechen seine Anwälte: Noch bevor die Anklage verlesen wird, stellen sie zwei Befangenheitsanträge.

Ein Richter, der über die Fortdauer von Schultes Untersuchungshaft entschieden hatte, sei der Vater eines beisitzenden Richters. Der Vater habe sich bei der Prüfung der Untersuchungshaft über das mögliche Strafmaß für Schulte geäußert – das setze den Sohn unter Druck. Es handele sich um eine „Bevormundung des Gerichts“. Außerdem habe das Gericht die Akten nicht ausreichend geprüft. Das Gericht, so der Vorwurf der Verteidigung, verlasse sich alleine auf die Arbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft. Es sei voreingenommen.

„Hier wurde nicht seriös ermittelt“, sagte Schultes Anwalt Wolf Römmig dem Handelsblatt nach der Verhandlung. Zwar habe die Staatsanwaltschaft die Mittelabflüsse aus den Fonds dokumentiert, Schulte habe jedoch auch Geld an die Fonds zurücküberwiesen. Zudem sei der Verteidigung nicht genügend Zeit eingeräumt worden, um die Ermittlungsakten vor dem Prozess zu sichten. Noch während der Verhandlung hatten Schultes Anwälte angekündigt, am Dienstag die Aussetzung des Verfahrens und die Aufhebung der Untersuchungshaft zu beantragen.

Über die Befangenheitsanträge muss nun eine andere Strafkammer des Landgerichts entscheiden. Der vorsitzende Richter Hartmut Loth will den Prozess am Dienstag weiterführen. Dann will sich auch Heinrich Maria Schulte zu den Vorwürfen äußern. Bis zu einem möglichen Urteil kann es noch lange dauern: Schon jetzt sind 14 weitere Verhandlungstage angesetzt.

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