Wölbern Invest-Prozess
Früherer Fonds-Chef bricht sein Schweigen

Sie wollen sehen, wie er für sein Handeln zur Rechenschaft gezogen wird: Bei dem Prozess gegen den Ex-Chef der Fondsfirma Wölbern Invest schauen viele der betroffenen Anleger zu. Sie bekommen nun auch etwas zu hören.
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HamburgDer wegen gewerbsmäßiger Untreue angeklagte frühere Chef der Fondsgesellschaft Wölbern Invest, Heinrich Maria Schulte, hat vor dem Hamburger Landgericht die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückgewiesen. „Ich habe mich weder privat bereichern noch Anleger vorsätzlich schädigen wollen“, sagte der 60-jährige Medizinprofessor am Dienstag. Die Staatsanwaltschaft wirft Schulte vor, sich als Eigentümer und Chef von Wölbern Invest in 360 Fällen der gewerbsmäßigen Untreue strafbar gemacht zu haben. So soll er mehr als 147 Millionen Euro aus dem Vermögen zahlreicher Fonds abgeschöpft und zweckentfremdet haben.

Das Verfahren hatte am Montag mit einem Antrag der Verteidigung begonnen, die Kammer wegen Befangenheit auszutauschen. Dies wiesen die Richter zurück, da er zu spät gestellt worden sei. Die Anwälte des angeklagten Medizinprofessors bezeichneten die Richter als befangen und nicht an einer neutralen Verhandlung interessiert. Das Gericht folge willfährig den Vorgaben der Staatsanwaltschaft, hieß es. Die Kammer habe es unterlassen, die Akten, die in 187 Umzugskartons gelagert werden, sowie rund sechs Millionen digital gespeicherte Seiten zu studieren, warfen die Verteidiger der Kammer vor. „Dem Gericht geht es vor allem um eine schlanke Hauptverhandlung“, sagte ein Verteidiger. Zudem seien Akten zu spät bei der Verteidigung angekommen, die Anwälte hätten sich nicht ausreichend vorbereiten können. Nach diesem Auftakt hatte Schulte sich am ersten Prozesstag in Schweigen gehüllt, das er nun am Dienstag also brach.

Der 60 Jahre alte Geschäftsmann hatte das private Bankhaus Wölbern in Hamburg 2006 übernommen und den Investmentbereich abgespalten. Im vergangenen September hatten Polizei und Staatsanwaltschaft seine Geschäfts- und Privaträume durchsucht und den Mediziner verhaftet. Er sitzt seitdem in U-Haft. Vor seiner Verhaftung hatte er Vorwürfe von Anleger zurückgewiesen.

Der Prozess stößt auf großes Interesse, am ersten Verhandlungstag kamen Dutzende der betroffenen Anleger. Der Zuschauerraum wurde wegen Überfüllung geschlossen. Es geht um 35 000 Anleger, die insgesamt rund 1,1 Milliarden Euro investiert haben. Das Kapital steckt vor allem in geschlossenen Immobilienfonds, in Bürohäusern in den Niederlanden, Deutschland, Österreich und Frankreich. Für insgesamt 23 Immobilien-Fonds hat zum Jahresbeginn die Hamburger Paribus-Gruppe das Management übernommen, für die übrigen Wölbern-Fonds treuhänderisch die Aufsicht.

Ein Urteil wird nicht vor dem 26. August erwartet.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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