Wölbern-Strafprozess
Der lange Weg in die Katastrophe

Im Strafprozess gegen den früheren Wölbern-Geschäftsführer werden neue Vorwürfe laut: Entnahmen aus den Fonds der Anleger könnten 2011 die letzte Rettung für das Fondshaus gewesen sein.
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DüsseldorfDas insolvente Fondshaus Wölbern Invest könnte schon ab dem Jahr 2009 in große Schwierigkeiten geraten sein. Die letzte Rettung schien 2011 ein Cashpool zu sein, der es dem Fondsmanagement erlaubte, sich an den Rücklagen der einzelnen Fonds zu bedienen. So jedenfalls schilderte es ein Zeuge, der am Freitag im Strafprozess (Az.: 630/Kls 1/14) gegen den früheren Geschäftsführer des Fondshauses, Heinrich Maria Schulte, fünf Stunden lang Rede und Antwort stand.

Der 58-jährige Lambert Adams war seit 2009 in leitender Position für die Finanzierung der Fonds zuständig. Er gab vor Gericht tiefe Einblicke in das Geschäft und die finanziellen Engpässe der Wölbern Invest. 2011 sollte Adams nach eigenen Angaben die Gründung des Cashpools mitgestalten, die Fonds sollten ihre Rücklagen in einen gemeinsamen Topf werfen.

Der Cashpool sollte es erlauben, dass die Fonds sich gegenseitig aus ihren Reserven Geld leihen konnten – später wurde er in „Liquiditätsmanagement“ umgetauft. Dagegen hätten Adams und andere Mitarbeiter schwere rechtliche Bedenken gehabt. Als Adams seine Bedenken gegen das System äußerte, sei er danach im Unternehmen kaltgestellt worden.

Schon 2009 gab es laut Lambert für Wölbern Invest ein Sanierungsgutachten, da das Emissionshaus damals immer größere Schwierigkeiten hatte, Anleger für neu aufgelegte Fonds zu finden. Das Fondshaus musste das fehlende Eigenkapital in zweistelliger Millionenhöhe selbst vorhalten. Diese Summen habe das Fondshaus damals gar nicht gehabt, so Adams.

Das Zahlenwerk von Wölbern Invest mochten Wirtschaftsprüfer ab 2008 nicht mehr testieren. Wölbern Invest habe sich dann 2009 von der Rechtsform einer AG in eine KG verwandelt, weil hier die Veröffentlichungspflichten weniger streng gewesen seien, so der Zeuge. Dafür haftete Schulte nun mit seinem persönlichen Vermögen. Das würde auch erklären, warum eine Villa von Schulte an der Hamburger Elbchaussee im Jahr 2011 kurz vor der Zwangsversteigerung stand. Das Handelsblatt hat darüber berichtet.

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Die Fonds sind bisher nicht insolvent

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