Zertifikate
Anlegern droht Verjährung möglicher Ansprüche

Zahlreiche Käufer von Zertifikaten laufen Gefahr, dass mögliche Ansprüche gegen ihr Kreditinstitut wegen Falschberatung Anfang 2010 verjähren und sie auf ihren Verlusten sitzenbleiben.
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AP KIEL. Bei allen Bankprodukten gilt eine Verjährungsfrist von drei Jahren nach dem Tag des Kaufs, wie die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein warnt. Die sonst übliche Frist von drei Jahren ab Ende des betreffenden Jahres finde keine Anwendung. Wer hohe Verluste erlitten habe, solle prüfen lassen, ob er möglicherweise Opfer einer Falschberatung geworden sei und Geld zurückerhalten könne.

Besonders wichtig ist diese Regelung für alle Anleger, die Anfang 2007 im Rahmen einer großen Verkaufswelle Zertifikate erwarben. "Viele glauben, dass die Kurse sich wieder erholen, aber damit ist bei vielen Anlagen nicht zu rechnen", sagt Verbraucherschützer Thomas Hagen. Auch ein Gespräch mit dem Berater oder ein Beschwerdebrief an die Bank unterbricht die Frist nicht.

Gute Chancen vor Gericht

Vor der Verjährung sollte in jedem Fall geprüft werden, wie die verlustreichen Geschäfte zustande kamen. Nach Angaben der Verbraucherzentrale haben Anleger gute Chancen, ihr Geld zurück zu erhalten. Die Gerichte würden in vielen Fällen zugunsten der Anleger entscheiden - unabhängig davon, ob die Beratung in der Bank oder am Telefon stattgefunden habe. Zudem seien häufig Provisionszahlungen an das Institut verschwiegen worden, so dass der Kunde die wahren Absichten des Bankberaters nicht habe abschätzen können.

Dies geschah beispielsweise im Fall eines Hamburger Rentners, der 10.000 Euro in Lehmann-Zertifikate investiert hatte und erfolgreich gegen seine Bank klagte. Das Hamburger Landgericht verurteilte das Institut zur Rückzahlung der Summe, da es den Anleger weder über einen möglichen Totalverlust aufgeklärt noch die eigenen Provisionen offen gelegt hatte (Aktenzeichen: LG Hamburg 310 O 4/09).

Wer wissen will, ob er Opfer einer fehlerhaften Finanzberatung wurde, kann sich an die Verbraucherzentralen wenden. Hier prüfen die Experten gegen eine Gebühr die Unterlagen und loten die Chancen für eine erfolgreiche Klage aus.

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