Zinsswap-Verfahren: Der BGH urteilt zur rechten Zeit

Zinsswap-Verfahren
Der BGH urteilt zur rechten Zeit

Der BGH hat im Prozess um komplizierte Bankprodukte einem Mittelständler Recht gegeben. Das Urteil ist weit mehr als Vergangenheitsbewältigung. Denn der Finanzsektor zeigt schon wieder viele alte Verhaltensmuster.
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Düsseldorf540.000 Euro Schadensersatz muss die Deutsche Bank an einen kleinen Mittelständler zahlen. Doch das Urteil des Bundesgerichtshofs geht weit über diese Summe hinaus. Und auch weit über die Klagefälle weiterer betroffener Kommunen und Unternehmen. Denn der Richterspruch zeigt, wie schnell vermeintlich margenträchtige Produkte für die Banken zum großen Imageverlust führen können. In der breiten Öffentlichkeit, aber vor allem bei den Kunden.

Dreieinhalb Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise, die mit komplexen Produkten, die eigentlich niemand mehr so richtig verstand, im Kern genau die gleichen Gründe hatte, tasten sich viele Finanzspieler wieder langsam an alte Zeiten heran. Bankbeschäftigte etwa klagen wieder über den Druck ihrer Arbeitgeber, ihren Kunden möglichst viele Produkte mit hohem Provisionserlös zu verkaufen. So gesehen, kommt das Urteil des Bundesgerichtshofs zur rechten Zeit – und ist weit mehr als Vergangenheitsbewältigung.

Der Richterspruch sollte aber nicht nur Bankern eine Lehre sein, ihre Kunden nicht zu überfordern oder gar zu übervorteilen. Es sollte aber auch Anlegern eine Lehre sein, von Produkten, die sie nicht verstehen, einfach die Finger zu lassen – auch wenn die derzeit niedrigen Zinssätze gepaart mit einer steigenden Inflation zur Suche nach höheren Renditen einladen.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland

Kommentare zu " Zinsswap-Verfahren: Der BGH urteilt zur rechten Zeit"

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  • Sehr geehrter Herr Bürger, wie sehen Sie eine vernünftige Strategie bei einem fälligwerdenenden Zinswährungsswap gegenüber der betreffenden Bank,
    mfG

  • ganz so einfach ist es nicht, gerade im Zusammenhang mit diesem Urteil wurde klar, das bei dem betroffenen Produkt eine Formel zugrunde lag mit welcher die Bank zu ihren gunsten berechnen konnte.
    Ist eigentlich noch glimpflich ausgegangen, grenzt schon an Betrug bzw. vorsätzliche Täuschung!

    Man muss über so ein Urteil fast froh sein, sonst könnte ein gefrusteter Investor den Glauben an den Rechtsstaat verlieren und zur Selbstjustiz greifen.

    Dann heist es für Bankster *Köpfe einziehen*

  • "... von Produkten die Finger lassen, die sie nicht verstehen." Das ist 1. keine Garantie für Gewinne und 2. was bleibt dann noch? Das Sparbuch? Das verstehen die allermeisten zwar auch nicht, aber es ist merkelsicher.

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