Abgabefristen und Tricks
Wann Sie die Steuererklärung abgeben sollten

Das richtige Timing kann bei der Steuererklärung entscheidend sein. Die frühe Abgabe lohnt oft nicht. Wer spät abgibt, kann lukrative Zinsen einstreichen – oder saftige Strafen. Ein Tool hilft bei der Gehaltsoptimierung.
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DüsseldorfSie ist lästig, kostet Zeit und häufig Nerven. Die Steuererklärung schieben viele Bürger gerne vor sich her. Wer jedoch mit einer hohen Erstattung rechnet und das Geld dringend braucht, legt beim Ausfüllen der Formulare auch mal den Turbo ein. In diesem Jahr hat sich die Eile für viele aber nicht gelohnt. Der Grund war ein Softwareproblem bei der Finanzverwaltung. Schnellsein lohnt sich oft nicht. Für Steuerzahler, die nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet sind, kann es sogar lukrativ sein, mit der Abgabe noch bis zu vier Jahre zu warten.

In einem Monat ist es wieder soweit, am 1. Juni – dieses Jahr einen Tag später, weil der 31. Mai ein Sonntag ist – müssen die Steuererklärungen für das Jahr 2014 beim Finanzamt sein. Dieses Datum gilt für alle, die zur Abgabe der Erklärung verpflichtet sind und sich nicht von einem Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein unterstützen lassen. Wer ledig ist, nur einen Arbeitgeber hat, keine Einnahmen aus Selbstständigkeit oder Vermietung erzielt und keine Ersatzleistungen wie Eltern- oder Krankengeld empfängt, könnte den Papierkram auch bleiben lassen. Doch meistens lohnt sich der Aufwand, denn im Schnitt gibt es rund 900 Euro vom Fiskus zurück. Kein Wunder also, dass etwa ein Drittel derjenigen, die eine Steuererklärung abgeben, dies sogar freiwillig tut.

Bleibt nur die Frage: Wann ist der strategisch günstigste Zeitpunkt für die Abgabe? Wer mit einer hohen Steuererstattung rechnet und das Geld schnell haben möchte, der sollte möglichst früh abgeben. Denn beim Finanzamt gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Das heißt: Die erste Steuererklärung, die in der Behörde ankommt, wird auch als erste bearbeitet. Der Startschuss fällt allerdings erst, wenn die Beamten die aktuelle Software haben. Sie sprechen dann von der „Programmfreigabe“.

„Die Erfahrung zeigt, dass die Finanzämter meist erst Mitte März mit der Bearbeitung der Steuererklärungen für das vorangegangene Jahr anfangen können“, sagt Thomas Eigenthaler, Bundesvorsitzender der Deutschen Steuergewerkschaft – und damit so etwas wie Deutschlands oberster Finanzbeamter. Der Grund: Auch kurz vor Jahresschluss kann es Gesetzesänderungen geben, die in die Software eingearbeitet werden müssen. Zudem liegen den Ämtern oft erst Anfang März die Daten vor, die Arbeitgeber und Versicherungen übermitteln.

Dieses Jahr hakt es besonders bei Steuererklärungen mit der sogenannten Anlage KAP für Kapitaleinkünfte. Bis vor einigen Tagen konnten solche Erklärungen noch gar nicht bearbeitet werden. Inzwischen soll das zumindest bei 85 Prozent der Fälle möglich sein. Der Rest soll im Laufe des zweiten Quartals folgen, heißt es beim Finanzministerium NRW. Nach einer Schätzung des Bundesverbands der Lohnsteuerhilfevereine (BDL) wird jede Steuererklärung mit der Anlage KAP abgegeben. Zudem würden im März und April die meisten Steuererklärungen abgegeben.

Vom Bund der Steuerzahler (BdSt) kommt dazu scharfe Kritik: „Es ist nicht akzeptabel, dass Bürger länger auf ihre Steuerbescheide warten müssen, weil die Finanzverwaltung die Software nicht rechtzeitig aktualisiert“, sagt Isabel Klocke vom BdSt. Noch dazu sei die Änderung lange absehbar gewesen: Seit dem Steuerjahr 2014 können sogenannte Altverluste nicht mehr mit Gewinnen aus Kapitaleinkünften verrechnet werden. „Das wurde nicht spontan entschieden, sondern stand schon bei Einführung der Abgeltungsteuer im Jahr 2009 fest“, sagt Klocke.

Doch das ist in diesem Jahr nicht das einzige Problem: „Auch bei der Körperschaftsteuer hakt es“, kritisiert Simon Beyme, Geschäftsführer des Steuerberaterverbands Berlin-Brandenburg. „Steuerberater können die Steuererklärungen zwar vorbereiten, aber nicht an das Finanzamt übermitteln.“ Über das Elster-Online-Portal – die Software der Finanzverwaltung – soll das voraussichtlich erst Ende Juli möglich sein. „Das ist mehr als ärgerlich, zumal die Steuerzahler stets zur Eile getrieben werden.“

Solche EDV-Probleme wie die Verzögerung bei Kapitaleinkünften zeigen: Wer seine Steuererklärung früh abgibt, ergattert beim Finanzamt zwar einen guten Startplatz für die Bearbeitung, eine Garantie für einen frühen Steuerbescheid ist das aber nicht.

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Sechs Prozent Zinsen pro Jahr

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Eine Verspätung kann teuer werden

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  • PS:
    NABU (für irgendwas taugen die dann doch^^) weiß:
    "Die Charaktervögel einer naturnahen, abwechslungsreichen Landschaft mussten ausweichen. Sie zogen in Gartenvororte und die Parks der Städte - eine gute Wahl, wie sich herausstellte. Hier finden sie das ganze Jahr über bestes Futter auf Komposthaufen und in Abfallkörben, können auf Parkwiesen Kleingetier sammeln, Futterreste an Parkteichen aufpicken und überfahrene Tiere an Straßenrändern auflesen. "

  • der Gipfel allerdings bleibt: sowas auch noch Elster zu nennen.

  • also: elster ausfüllen offline, ausdrucken offline, das system neu aufsetzen und weiter...

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