Abgeltungsteuer
Angezählt, nicht ausgeknockt

Die Abgeltungsteuer hinterlässt bei Zertifikaten Gewinner und Verlierer: Während auf der einen Seite eine - zumindest zeitweilige - Diskriminierung droht, profitieren andererseits Garantiezertifikate von der neuen Regelung. Das große Unheil scheint insgesamt ohnehin abgewendet.

FRANKFURT. Der Vorstoß des Bundesrates traf die Zertifikate-Branche unvorbereitet. Um den Versuchen der Banken einen Riegel vorzuschieben, mit speziell entwickelten Wertpapieren die geplante Abgeltungsteuer zu umgehen, sollte die Pauschalsteuer ab dem 1. Januar 2009 für alle Zertifikate gelten, empfahl der Bundesrat im Mai. Aktien und Fonds, die vor dem Stichtag gekauft wurden, sollten dagegen den alten, günstigeren Steuergesetzen unterliegen.

Die Antwort der aufgeschreckten Zertifikate-Lobby fiel heftig aus. Der Branchenverband DDI sprach von einem "schwerwiegenden Eingriff in den Wettbewerb am Kapitalmarkt", die Vereinigung Derivate Forum warnte vor Mittelabflüssen in einer Größenordnung von 40 Mrd. Euro, in deren Folge auch der Aktienmarkt "massiv einbrechen" werde.

Mit ihrem Protest erreichten die Derivate-Verbände einen Teilerfolg. Zwar sieht auch das endgültige Gesetz eine Schlechterstellung von Zertifikaten vor, allerdings gibt es jetzt einen begrenzten Bestandschutz. Demnach greift die Abgeltungsteuer bei allen Papieren, die nach dem 14. März 2007 gekauft und später als 30. Juni verkauft werden - ein Kompromiss, mit dem die Branche gut leben kann: "Auch mit der vorübergehenden Diskriminierung der Zertifikate im Übergang zur Abgeltungsteuer wird das Wachstum anhalten, wenn auch vielleicht mit etwas geringeren Raten", gibt sich Siegfried Piel, Geschäftsführer des Derivate Forums, optimistisch."

Auch andere Experten sehen die Schlechterstellung von Zertifikaten gegenüber anderen Anlagearten gelassen: "Die Fondsindustrie wird von der vorübergehenden Begünstigung profitieren", sagt Bodo Gauer, Derivate-Experte bei Credit Suisse. "Wenn sie den Anlegern die versprochenen Erträge anschließend aber nicht liefern kann, werden sich diese schnell wieder abwenden und auf Produkte zurückgreifen, die ihrem Risikoprofil besser entsprechen." Und die finden sie nach Meinung der Banken im Zertifikate-Bereich. Der Erfolg der vergangenen Jahre hat sie selbstbewusst gemacht: Während Anleger aus Aktienfonds Milliardenbeträge abzogen, nahm das investierte Volumen am Zertifikatemarkt allein im laufenden Jahr um rund 25 Mrd. auf 136 Mrd. Euro zu, wie das Derivate Forum schätzt.

Zugute kommt den Emittenten das ausgeprägte Sicherheitsbedürfnis der Anleger, dem Zertifikate durch den Einsatz von Optionen entsprechen können. Bei den beliebtesten Varianten investieren Anleger indirekt in eine Aktie, einen Index oder eine Währung, verzichten jedoch auf die Dividende und erhalten im Gegenzug einen partiellen oder vollständigen Schutz des eingesetzten Kapitals. "Die Anleger haben Zertifikate gekauft, weil die Chance-Risiko-Profile ihren Bedürfnissen entsprechen - und daran wird auch die Steuer nichts ändern", sagt Petra Becher, Zertifikate-Expertin der UBS.

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