Abgeltungsteuer

Hausbank-Prinzip droht das Aus

Banken und Sparkassen in Deutschland fürchten um ihr klassisches Geschäft als Hausbank für den Mittelstand. Ursache ist eine Ausnahme von der Abgeltungsteuer, die 2009 eingeführt wird: Danach muss jede Person, die gleichzeitig bei einer Bank einen Kredit und ein Sparguthaben unterhält, ihre Kapitalerträge künftig auf jeden Fall in der Steuererklärung angeben.
Durch eine Ausnahme von der ab 2009 gepanten Abgeltungsteuer wird der Prüfaufwand beim Fiskus weiter steigen. Foto: dpa

Durch eine Ausnahme von der ab 2009 gepanten Abgeltungsteuer wird der Prüfaufwand beim Fiskus weiter steigen. Foto: dpa

BERLIN. Für Mittelständler und Vermieter wird damit die pauschale Abgeltungsteuer von 25 Prozent nicht gelten, die eigentlich ab 2009 für private Kapitalerträge eine Steuererklärung im Regelfall überflüssig macht. Gut verdienende Mittelständler müssen ihre Kapitalerträge jedoch weiter mit dem persönlichen Einkommensteuersatz bis zu 45 Prozent versteuern. Dem können Personenunternehmen aber leicht entgehen, indem sie ihr privates Depot an eine andere Bank verlagern.

Die neue Ausnahmeregel wurde am Ende der Gesetzesberatungen im Bundestag von Union und SPD weitgehend unbemerkt in das Unternehmensteuergesetz geschrieben und hat jetzt die Steuerabteilungen aller Bankenverbände in Aufruhr versetzt. Sie stellt jedes private Sparkonto eines Personenunternehmers unter den Verdacht, der missbräuchlichen Gesellschafterfremdfinanzierung der Firma zu dienen - und zwar bereits dann, wenn nur ein Kontokorrentkonto für ein paar Tage im Jahr ins Minus rutscht, befürchten die Steuerabteilungsleiter aller fünf deutschen Banken- und Sparkassenverbände.

"Wir bekommen den Ärger mit dem Kunden, wenn ihm das Finanzamt zwei Jahre später vorwirft, dass er seine privaten Kapitaleinkünfte hätte deklarieren müssen, obwohl seine Bank doch die Abgeltungsteuer abgeführt hat", sagte Manfred Materne, Steuerabteilungsleiter des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Der Zentrale Kreditausschuss der fünf Verbände hat einen Brandbrief an Finanzstaatssekretär Axel Nawrath (SPD) und den Vorsitzenden der Finanzministerkonferenz, Hessens Finanzminister Karl Weimar-Heinz (CDU) geschickt, der dem Handelsblatt vorliegt. "Das bewährte Hausbankprinzip wird beschädigt, unter Umständen sogar zerschlagen", heißt es in dem Brief. Bisher sei es absolut üblich, dass Mittelständler alle Konten von einer Bank führen ließen.

Steuerberater müssten jetzt ihren Mandanten aber ausdrücklich dazu raten, bis zum 1.1.2009 ihre Bankverbindungen für Darlehen und die für Kapitalanlgen strikt zu trennen: Wenn das Gesetz nicht wieder geändert wird, tritt die Ausnahmeregel zusammen mit der Abgeltungsteuer Anfang 2009 in Kraft.

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