Abgeltungsteuer
Vorfahrt für Fonds

Die Devise lautet: Noch vor dem Jahresende in breit anlegende Depots wechseln. Angefallene Kursgewinne sind dann bis zum Verkauf der Anteile steuerfrei. Zehn Fragen und Antworten zum Thema Fonds und Abgeltungsteuer.
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Die Anlagebranche hofft auf ein Jahresschlussgeschäft. Wer in den verbleibenden Wochen in einen Investmentfonds wechselt, der genießt Bestandsschutz. Das heißt übersetzt: Anleger müssen bei Verkauf ihrer Wertpapiere keine Abgeltungsteuer zahlen, insbesondere nicht auf angefallene Kursgewinne.

Der Wechsel des Steuerregimes lockt deshalb in breit anlegende Depots mit Vermögensverwaltungscharakter. Es sind jene Portfolios, die man für eine langfristige Vermögensanlage wie etwa für die Altersvorsorge benötigt. Dafür bieten sich insbesondere Investmentfonds an, die ihre Gelder grundsätzlich streuen. Vor allem zwei Produktgruppen reizen mit einer sehr breiten Geldanlage: Dach- und Mischfonds. Dachfonds investieren ihrerseits in Fonds, Mischfonds konzentrieren sich auf Aktien und Anleihen.

Auch innerhalb der Fonds kann der Fondsmanager Wertpapiere oder Fonds kaufen und verkaufen, ohne dass Abgeltungsteuer anfällt - wenn der Anleger noch in diesem Jahr einsteigt. Dabei gilt: Je breiter der Fonds ausgerichtet ist, um so geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Anleger später das Produkt wechseln muss, weil ihm die Kapitalmarktlage das ratsam erscheinen lässt - was bewirkt, dass die Anlage unter das neue Gesetz fällt. Hieran sollte man denken, wenn man beispielsweise die Wahl zwischen einem Portfolio europäischer Nebenwerte oder einem weltweit investierenden Mischfonds trifft. Für die Langfristanlage ist also eine möglichst breit angelegte Teilnahme an den Wertzuwächsen vieler Kapitalmärkte sinnvoll.

Grundsätzlich motiviert die Steueränderung zum Aufbau einer langfristigen und damit haltbaren Vermögensstruktur - unter einem Fondsschirm als möglicher Alternative. In diese gewählten Portfolios gehören als Bausteine Aktien und Anleihen, auch andere Vermögensformen. Wegen dieser langfristigen Ausrichtung, die auch die Bindung an einen Vermögensverwalter und dessen Produkte bedeutet, sollte ein Partner mit Erfahrung und langer Erfolgsbilanz gewählt werden.

Steuerlich schädlich wäre es, wenn der Anleger seinen einmal gefassten Plan umstoßen müsste. Beispiele dafür könnten sein: Das Fondshaus gibt auf, Produkte schließen mangels Erfolgs oder aber Fonds schrumpfen durch Mittelabzüge kräftig und werden daher in der Gebührenbelastung teurer.

1. Wie wirkt die Abgeltungsteuer auf Einmalanlagen bei Investmentfonds, wenn der Anleger vor beziehungsweise nach dem Jahreswechsel kauft?

Gewinne aus dem Verkauf von Fondsanteilen, die vor dem 1. Januar 2009 erworben werden, unterliegen nicht der neuen Besteuerung. Der Anleger kann demnach seine Anteile auch noch in zehn oder mehr Jahren steuerfrei verkaufen. Er nimmt also insbesondere Kursgewinne der Papiere in den Portfolios, sofern angefallen, ohne Abzüge mit. Allerdings wird Abgeltungsteuer auf die im Fonds anfallenden Erträge erhoben. Das betrifft bei Anleihen Zinsen, bei Immobilien Mieten und bei Aktien Dividenden. Anders ist die Lage für die ab kommendem Jahr erworbenen Investmentfondsanteile. Dann werden auch Gewinne aus der Veräußerung von Fondsanteilen pauschal mit dem Satz von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer automatisch von der depotführenden Stelle gekürzt.

2. Sind künftig Veräußerungsgewinne auf Fondsebene weiter steuerfrei?

Nicht ausgeschüttete Veräußerungsgewinne werden erst besteuert, wenn der Anleger seine nach dem Jahresende 2008 erworbenen Anteile mit Gewinn verkauft. Die auf Fondsebene angefallenen Gewinne aus der Veräußerung von Wertpapieren werden dann unterschiedlich behandelt: Gewinne aus der Veräußerung von vor dem Jahr 2009 erworbenen Wertpapieren können weiter steuerfrei ausgeschüttet werden. Wenn Anleger ihre Anteile allerdings nach dem Jahreswechsel erworben haben, kommt es zu einem Verschiebungseffekt. Dann erhöht die steuerfreie Ausschüttung den Veräußerungsgewinn des Anlegers, der der Abgeltungsteuer unterliegt.

3. Wie genau funktioniert das für Aktien, die vor und ab 2009 in Fonds gelangen?

Das zeigt ein Beispiel: Ein Fonds erwirtschaftet einen Veräußerungsgewinn aus vor 2009 erworbenen Aktien in Höhe von 10 Euro je Anteil. Der Anleger erwirbt daraufhin einen Fondsanteil für 110 Euro. Der Fonds schüttet nun die 10 Euro steuerfrei an den Anleger aus, der Anteilspreis sinkt gleichzeitig auf 100 Euro. Veräußert der Anleger nun seinen Anteil, ist der realisierte Verlust von 10 Euro - der Differenz aus Verkaufspreis und Anschaffungspreis - um die Gewinne von 10 Euro zu bereinigen. Damit wird eine doppelte Begünstigung des Anlegers vermieden. Gewinne aus dem Verkauf von Wertpapieren, die der Fondsmanager ab 2009 erworben hat, können nur noch steuerpflichtig ausgeschüttet werden.

4. Welche Effekte hat die Abgeltungsteuer auf Sparpläne mit Fonds?

Jede Einzahlung gilt als Einmalanlage. Für jede Einmalanlage gilt die Stichtagsregelung. Daher unterliegen alle vor dem Januar erworbenen Fondsanteile der derzeit geltenden Regelung. Die ab 2009 erworbenen Anteile fallen unter das Abgeltungsteuerregime. Der Fondsverband setzt sich allerdings weiter für eine Anpassung dieses Modells ein. Er hält eine Behandlung von Sparplänen analog der von Versicherungen für angemessen. Nach diesem Konzept fiele bei Sparplänen mit einer Anspardauer von mindestens 12 Jahren und einem Alter des Sparers von mindestens 60 Jahren der halbe persönliche Steuersatz an.

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