Abgeltungsteuer Wie teuer wird's für Sparer?

Die Absage für Schwarz-Grün dürfte zumindest für Sparer eine Erleichterung sein. Doch auch der mögliche Koalitionspartner SPD will die Abgeltungsteuer erhöhen. Was die Steuerzahler erwarten könnte.
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Wie gewonnen, so zerronnen: Mit der Abgeltungsteuer bedient sich der Staat an Kapitalerträgen. Quelle: dpa

Wie gewonnen, so zerronnen: Mit der Abgeltungsteuer bedient sich der Staat an Kapitalerträgen.

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DüsseldorfSteuerzahler können erst einmal aufatmen: Die Sondierungsgespräche zwischen der Union und den Grünen sind gescheitert. Damit ist nun auch die Idee vom Tisch, Kapitaleinkünfte wieder dem Einkommensteuersatz und nicht mehr der 2009 eingeführten Abgeltungsteuer zu unterwerfen. Das hätte für Sparer richtig teuer werden können – doch auch der mögliche Koalitionspartner SPD möchte an der Abgeltungsteuer drehen.

Aktuell funktioniert die Abgeltungsteuer so: Pro Jahr können Sparer 801 Euro Kapitaleinkünfte erzielen, ohne dafür Steuern zu zahlen. Paare haben den doppelten Pauschbetrag von 1602 Euro. Jeder Euro, der darüber liegt, muss versteuert werden. Seit 2009 führen Banken automatisch 25 Prozent Abgeltungsteuer an den Fiskus ab. Doch wer einen persönlichen Einkommensteuersatz von weniger als 25 Prozent hat, kann die Kapitaleinkünfte bei der Einkommensteuererklärung angeben, um eine sogenannte Günstigerprüfung bitten und sich so die zu viel gezahlten Steuern zurückholen.

„Für die Finanzverwaltung und die Banken war die Einführung der Abgeltungsteuer mit hohen Bürokratiekosten verbunden und das Verfahren hat sich gerade erst richtig eingespielt“, sagt Frank Hechtner, Professor für Steuerlehre an der Freien Universität Berlin. „Nun das komplette System wieder umzustellen, würde erneut zu zusätzlichen Kosten führen und wäre schon deshalb keine sinnvolle Alternative.“

Wie hoch die steuerliche Mehrbelastung aussehen würde, hat der Bund der Steuerzahler für zwei Beispielfälle berechnet. Nach geltender Rechtslage müsste ein lediger Arbeitnehmer mit einem Bruttojahreseinkommen von 40.000 Euro und einem Kapitalertrag von 2000 Euro derzeit rund 316 Euro Abgeltungssteuer inklusive Solidaritätszuschlag zahlen. Würde sein persönlicher Steuersatz auf die Kapitaleinkünfte angewandt, müsste er rund 402 Euro zahlen – 106 Euro mehr.

Noch deutlicher wäre die Mehrbelastung bei einem Bruttojahreseinkommen von 100.000 Euro und einem Kapitalertrag von 5.000 Euro ausgefallen: Statt 1107 Euro wären 1860 Euro fällig, also rund 753 Euro mehr. Grundlage für die Berechnungen ist jeweils der Einkommensteuertarif 2013, ohne Kirchensteuer und unter Berücksichtigung des Sparerpauschbetrags, des Werbungskostenpauschbetrags sowie der Vorsorgeaufwendungen.

Mit dem Steuersatz müsste auch der Pauschbetrag steigen
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28 Kommentare zu "Abgeltungsteuer: Wie teuer wird's für Sparer? "

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  • Stimmt keine Ungleichbehandlung mehr. 25% Gesamtsteuer ist mehr als genug!
    Je mehr diese Strauchdiebe stehlen, desto mehr wird nur verblödet.

  • Nunja, eine Aktienkultur gibt es in D. doch ohnehin nicht und das liegt nicht an den Steuern, sondern an der Risikoaversion der Deutschen. Insofern würde sich dadurch nichts ändern, die Dax Konzerne gehören eh schon zum Größten Teil angelsächsischen Pensionsfonds etc. Eine Erhöhung der Abgeltungssteuer bei gleichzeitiger massiver Erhöhung der Freibeträge wäre insofern erstrebenswert, als dadurch kleine Sparer entlastet werden während Bezieher leistungsloser Einkommen aus Kapitaleinkünften angemessen besteuert würden. Aber mit der Doppelbesteuerung gebe ich Ihnen ebenfalls recht.

  • Auf der einen Seite ist es schon schwer vermittelbar, wenn Arbeitseinkünfte mit bis zu 42% besteuert werden, Zinseinkünfte aber nur mit 25%, bzw Einkünfte aus Schiffen gar nur mit 4%. Auf der anderen Seite gibt bei Aktieneinkünften eine Doppelbesteuerung, da die Dividende aus versteuertem Gewinn gezahlt wird. Das heißt das Unternehmen zahlt bereit Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer, was übrig bleibt kann als Dividende ausgezahlt werden, so dass hier ein Steuersatz von derzeit rd. 47% besteht, sollte die Abgeltungsteuer auf 32% steigen würde die Besteuerung der UN-Gewinne/Dividenden letztlich sogar auf 52% steigen. Schon jetzt gibt es kaum deutsche Aktionäre, die Aktie wäre dann endgültig Tod in Deutschland. Die Folge wäre ein totaler Ausverkauf der deutschen Vorzeigeunternehmen durch das Ausland und wohl letztlich die Abwanderung zahlreicher Arbeitsplätze. Warum fördert der Staat nur Lebensversicherungen für die Altersvorsorge und nicht auch die Vermögensbildung in Aktien. Damit könnten die Arbeitnehmer auch an den Gewinnen partizipieren und sich eine gewisse Mitbestimmung an Ihrem Unternehmen sichern, aber soweit denkt die Politik offensichtlich nicht.

  • Freibetrag abschaffen, Abgeltungssteuer auf 35 % (Europäische Zinsrichtlinie) rauf. Wesentliche Verwaltungsvereinfachung und steuerliche Mehrbelastung,insbesondere für alle mit einem Grenzsteuersatz über 35 %.(beim ledigen ein zu versteuerendes Einkommen von ca 36.800 pa)Aber ja, unsere Politiker und hohe Beamten haben von der Praxis wenig Ahnung, leider....

  • So dick ist es mit der Rente auch nicht. Es wäre aber dumm nun "Jung" gegen "Alt" auszuspielen. Gemeinsam müssen sich die Generationen wehren. Die Verantwortlichen sind unsere korrupten Politiker denen mal kräftig in ein bestimmtes Körperteil getreten gehört.

  • es sollte auch die Inflationsrate berücksichtigt werden und die Steuer erst greifen, wenn der Kaufkraftverlust von den Zinsen / Dividenden abgezogen ist.

  • @Buerge-r
    Eine weitere Möglichkeit wäre vielleicht, wenn unsere Verfassung derart geändert wird, dass der Regierung das Budgetrecht entzogen wird. Das Budget des Staates wird einmalig fest gelegt. Und jede Erhöhung (von einer Erniedrigung wagen ich gar nicht zu träumen) bedarf einer Volksabstimmung. Unsere Kleptokraten im Staatsapparat haben schließlich zu Genüge bewiesen, dass sie mit dem ihnen anvertrauten Geld nicht verantwortungsvoll umgehen können / wollen.

  • @Buerge-r und investival
    Wovon träumen Sie nachts? Auch ich hätte gerne wieder den Spitzensteuersatz auf meine bescheidenen Kapitaleinkünfte bei gleichzeitiger Wiedereinführung des Halbeinkünfteverfahrens. Für langfristige Investoren ist dies deutlich günstiger. Der damaligen Regierung von Rot-Grün ging es jedoch darum, die Zocker besser zu stellen, was man ja an mehrere Aktionen der damaligen Regierung schön sieht.
    Leute, die privat fürs Alter vorsorgen werden von unserer Politiker- und Beamtenkaste lediglich als Steuersklaven und Melkkühe angesehen. Daher ja auch der Aufruf, doch bitte schön nun privat fürs Alter vorzusorgen, weil die eigenen Rentenzahlungen veruntreut wurden und immer noch werden. Sobald dann genügend Leute privat fürs Alter vorsorgen, kann man da auch wieder schön abgreifen. Der Zeitpunkt ist nun gekommen. Mich wundert jedoch, warum z. B. die Besteuerung von Dividenden in der jetzigen Form überhaupt verfassungskonform ist. Immerhin werden hier bereits versteuerte Gewinne noch einmal versteuert, so dass im Einzelfall der Staat weit über 50% Steuern auf den erwirtschafteten Gewinn abkassiert.

  • Kleine und mittlere Sparer sollen motiviert werden un zu investieren in Aktien. Die Unternehmen profitieren davon und die Sparer haben was für Rentenalter. Ein Abgeltungssteuersatz von 25% ist völlig Kontraproduktiv. Besser wäre es disen Steuersatz für Depots z.B. unter 50K oder 75K abzuschaffen.

  • Was dann ebenfalls zur Disposition stünde wäre die Körperschafts- (und wenn möglich auch Gewerbe) -steuer; denn eine Gleichbehandlung der Einkunftsarten muss gewährleistet sein - und wo ein Einzelunternehmer auf seinen Gewinn natürlich den persönlichen Steuersatz zahlt darf der Eigentümer einer Kapitalgesellschaft (GmbH/AG) nicht deutlich schlechter gestellt werden. Somit wäre die Anrechnung der gezahlten Körperschaftssteuer auf die persönliche Steuerschuld, wie bereits in früheren Zeiten gehandhabt, anzustreben. Die etappenweise Schlechterstellung der Kleinaktionäre durch zuerst Halbeinkünfteverfahren, dann Abgeltungssteuer wäre damit ebenfalls beseitigt.

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