Amerikanische Rechtsform bei Deutschen immer beliebter
Finanzministerium klärt Regeln für Investment in US-Gesellschaft LLC

Das Bundesfinanzministerium (BMF) hat jetzt bedeutsame Besteuerungsgrundsätze für Investoren bekannt gegeben, die sich der komfortablen, einer GmbH vergleichbaren amerikanischen Limited Liability Company (LLC) bedienen.

li DÜSSELDORF. Diese Gesellschaftsform ist wegen ihrer zivilrechtlichen Flexibilität und der beschränkten Haftung der Gesellschafter seit Mitte der 90er Jahre auch für Deutsche immer beliebter geworden. Helder Schnittker, Rechtsanwalt der Kanzlei Pöllath und Partner in Berlin, bewertet das neue Schreiben des BMF als gute Grundlage, um eine LLC aus deutscher Sicht steueroptimal zu gestalten und die Rechtsfolgen des Investments abzuschätzen.

Die Kernfrage, bei der es für die Steuerrechtsfolgen in Deutschland geht, lautet, ob die in den USA in ihren Eigenschaften nahezu frei gestaltbare LLC nach deutschem Recht als Personengesellschaft oder als Kapitalgesellschaft besteuert wird. Denn wird sie als Personengesellschaft bewertet, dann unterliegen die Einkünfte beim deutschen Gesellschafter nur einmal der Besteuerung. Wird sie dagegen in den USA als Personengesellschaft, in Deutschland aber als Kapitalgesellschaft qualifiziert, dann besteht nach Auffassung des BMF für den deutschen Gesellschafter das Risiko, dass die in den USA gezahlten Steuern nicht oder nicht vollständig auf die in Deutschland zu zahlende Einkommensteuer für Dividenden angerechnet werden kann. Umgekehrt kann es in bestimmten Fallkonstellationen für Deutsche aber auch einmal von Vorteil sein, dass eine LLC als Kapitalgesellschaft eingestuft wird, nämlich dann, wenn man vermeiden will, dass eine deutsche Investoren-Personengesellschaft von der LLC in die volle Steuerpflicht für Veräußerungsgewinne geführt wird, weil sie als amerikanische gewerbetreibende Personengesellschaft die deutsche Investorin gewerblich mit "infizieren" würde.

Für die deutsche steuerliche Qualifikation wird im Einzelfall ein so genannter Typenvergleich anhand der gestaltbaren Merkmale der LLC durchgeführt. Im Klartext: Es wird geprüft, ob mehr für das Vorliegen der einen oder anderen Gesellschaftsform spricht. Dabei kommt es insbesondere auf fünf Kriterien an: die Regelungen zur Geschäftsführung und Vertretung der Gesellschaft, die Regelungen zur Haftung, zur Übertragbarkeit der Anteile, zur Gewinnzuteilung und über die Kapitalaufbringung. Ferner spielen auch die Regelungen zur Auflösung und Beendigung der Gesellschaft, der Gewinnverteilung und über die Gründung der Gesellschaft eine Rolle.

Das BMF favorisiert - wenig überraschend - die Tendenz zur Beurteilung der LLC als Kapitalgesellschaft. Lassen sich im Einzelfall Elemente beider Gesellschaftsformen feststellen, soll über eine Gewichtung anhand der erstgenannten fünf Kriterien entschieden werden, ob eine Personengesellschaft vorliegt. Im Zweifel soll laut BMF eine Kapitalgesellschaft anzunehmen sein, sofern wenigstens die Mehrzahl von diesen fünf Eigenschaften denen einer Kapitalgesellschaft entspricht. Doch enthält das BMF-Schreiben auch gute Nachrichten: Steuerexperte Schnittker sieht in der Aussage des BMF, dass eine LLC mit nur einem einzigen Gesellschafter nicht unbedingt eine Kapitalgesellschaft sein muss, eine wesentliche Verbesserung gegenüber der bislang ungeklärten Rechtslage für Investoren. Schnittker rät allerdings: Deutsche Steuerpflichtige sollten in allen trotz BMF-Schreiben offen gebliebenen Fragen verbindliche Auskünfte bei den Finanzämtern einholen - damit sie am Ende keine Überraschungen bei den Steuerfolgen erleben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%