Anfangsverluste sollen schneller ausgeglichen werden
Fondsanlegern drohen Steuernachzahlungen

Anlegern, die in geschlossene Fonds investiert haben, drohen Steuernachzahlungen. Der Grund: Die Einkommensteuerreferenten des Bundes und der Länder planen eine Verwaltungsanweisung, derzufolge die in einem geschlossenen Immobilienfonds erzielten Gewinne innerhalb von 30 Jahren die Anfangsverluste übersteigen müssen (Totalüberschuss).

rrl DÜSSELDORF. Anderenfalls geht der Fiskus davon aus, dass der Anleger gar keinen Gewinn erzielen wollte, sondern es nur auf die Steuervorteile abgesehen hat. Dann spricht die Finanzverwaltung von Liebhaberei und verlangt die Nachzahlung der wegen der Anfangsverluste entgangenen Steuern. Bis jetzt gilt noch, dass ein Immobilienfonds-Anleger einem Immobilienkäufer gleichgestellt ist und den Totalüberschuss erst nach 100 Jahren erreichen muss.

Falls die Referenten die 30-Jahre- Frist in ihrer Sitzung vom 30.6. bis 2.7. beschließen, befürchtet der Verband Deutscher Makler, dass sie dadurch Zehntausende Anleger auf Grund von Steuernachzahlungen in die private Insolvenz treiben.

Gefährdet sind Zeichner von Fonds, die die Sonderabschreibungen (Sonder-AfA) nach dem Fördergebietsgesetz für Immobilieninvestition in Ostdeutschland nutzten und dadurch die Anfangsverluste oft weit über 100 Prozent trieben. Bis Ende 1996 betrug die Sonder-AfA 50 Prozent auf die Anschaffungskosten, bis Ende 1998 40 Prozent auf Modernisierungsaufwendungen. Über Anzahlungsmodelle wurden noch 1999 Sonder-AfA-Fonds platziert.

Karl Hamberger, Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (E & Y) befürchtet, dass die Sonder-AfA - anders als bisher - einbezogen wird, wenn die Zeit bis zum Erreichen des Totalüberschusses berechnet wird.

Anfangsverluste um und über 100 Prozent können Anleger auch heute noch erreichen, indem sie Fondsanteile mit einem Kredit finanzieren und die Finanzierungskosten geltend machen.

Außer Gefahr ist ein Fondszeichner, wenn vor Erlass der Verwaltungsanweisung bereits ein bestandskräftigen Bescheid für den Fonds vorliegt. Dieser werde im Anschluss an die in der Regel nach drei Jahren durchgeführte Betriebsprüfung erteilt, erläutert E & Y-Steuerberaterin Katrin Ullmann. Dabei wird gleichzeitig auch das steuerliche Ergebnis für Anleger festgestellt, die Anteile auf Pump gekauft haben.

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