Anleger betroffen
Steuersparmodelle werden rar

Der Fiskus hat sich durchgesetzt: Steuersparmodellen geht es an den Kragen. Was Anlegern bleibt.

Auch die verfassungsrechtlichen Bedenken vieler kluger Köpfe konnten die Koalitionäre nicht bremsen. Vergangene Woche stellten sie klar, dass es beim rückwirkenden Aus für die sogenannten Wertpapierhebelfonds bleibt. Sonst drohe ein Steuerausfall von mindestens 700 Millionen Euro, hieß es. Wohl nicht unbegründet, denn in der Hoffnung auf Steuervorteile haben Anleger allein in diesem Jahr etwa 800 Millionen Euro in diese Produkte gesteckt.

Der Hebel sollte so funktionieren: Anbieter wie die Deutsche Bank hatten ihren Kunden einen steuerlich anrechenbaren Scheinverlust von mehr als 250 Prozent des investierten Geldes in Aussicht gestellt. Den hätten sie, so das Kalkül, von ihren anderen Einkünften abziehen und so kräftig Steuern sparen können. Dass einige Anleger am Investment festhalten und später Einspruch gegen die Nichtanerkennung der Verluste im Steuerbescheid einlegen dürften, beunruhigt die Finanzpolitiker nicht: Bis das Verfassungsgericht entscheidet, werden Jahre ins Land ziehen - dann sind andere für die Staatsfinanzen verantwortlich. Die meisten betroffenen Anleger werden eh den einfacheren Weg gehen, vom Vertrag zurücktreten und sich das Geld zurückzahlen lassen.

Die Alternativen für Last-Minute-Steuersparer sind rar: Bereits 2005 hat die Regierung den Abzug der Steuervorteile aus Beteiligungsmodellen wie Medien- oder Windfonds drastisch eingeschränkt. Eine verbleibende Option sind Altbausanierungen. Wer Gebäude kauft und saniert, die unter Denkmalschutz oder in städtebaulichen Entwicklungsgebieten stehen, kann acht Jahre lang je neun Prozent der Sanierungskosten bei der Steuer geltend machen; in den darauffolgenden vier Jahren nochmal je sieben Prozent. Der Haken: "Es ist sehr schwierig geworden, Sanierungsobjekte zu akzeptablen Preisen zu finden", sagt der Kölner Vermögensberater Andreas Zittlau. Zudem besteht das Risiko, dass Finanzämter die Sanierung als "Steuerstundungsmodell" einstufen und den Steuervorteil streichen. Unklare Rechtskriterien lassen den Beamten viel Spielraum.

Klar dagegen ist: Heerscharen von Juristen suchen im Auftrag der Banken und Fondsanbieter mit Hochdruck neue Schlupflöcher im Paragrafendschungel.

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