Anleger fühlen sich von Börsenprospekten getäuscht
Gericht sieht keine Wende im Telekom-Prozess

Im Anlegerprozess gegen die Deutsche Telekom hat das Oberlandesgericht Frankfurt dem Eindruck widersprochen, es gebe eine überraschende Wende.

rtr FRANKFURT. Zwar sei der Konzern aufgefordert worden, binnen eines Monats Zeugenaussagen von vier Telekom-Spitzenmanagern aus einem ähnlichen Verfahren in den USA vorzulegen, bestätigte ein Gerichtssprecher am Dienstag. Von Zweifeln an den bisherigen Aussagen der Manager könne aber keine Rede sein. "Von einer Wende würde ich so nicht sprechen", sagte er. Es sei normal in einem Zivilprozess, dass alle Unterlagen geprüft würden. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte die Überprüfung der Zeugenaussagen als überraschende Entscheidung und Wende im Prozess bezeichnet.

Bei den Managern handelt es sich um Telekom-Vizechef Karl-Gerhard Eick, die früheren Konzernchefs Ron Sommer und Kai-Uwe Fricke sowie den früheren Vorstand Jeffrey Hedberg. Sie hatten im Frankfurter Prozess als Zeugen die Position der Telekom gestützt. Vor dem Oberlandesgericht klagen Tausende Aktionäre gegen den Konzern. Sie fühlen sich von den Börsenprospekten für die T-Aktie getäuscht und verlangen Schadensersatz für ihre Kursverluste. Unter anderem werfen sie der Telekom, die fast 40 Mrd. Euro teure Übernahme des US-Mobilfunkunternehmens VoiceStream verschwiegen zu haben. Die Ankündigung des Kaufs im Juli 2000 erfolgte gut einen Monat nach der Platzierung der Telekom-Papiere zu einem Stückpreis von 66,50 Euro. Die Aktie war danach abgestürzt und notiert inzwischen noch bei rund elf Euro.

In den USA war 2005 ein ähnliches Verfahren mit einem millionenschweren Vergleich zu Ende gegangen. Ein Telekomsprecher betonte jedoch, es habe damals kein explizites Schuldeingeständnis des Konzerns gegeben. "Wir sind weiter davon überzeugt, dass sich die Vorwürfe als haltlos erweisen werden", sagte er mit Blick auf das Verfahren in Frankfurt. Die den Musterkläger vertretende Kanzlei Tilp wertete die Anordnung des Gerichts dagegen als Erfolg. Nun sei ein direkter Abgleich der Zeugenaussagen möglich.

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