Anlegerschutz
Experten warnen Finanzkrisenopfer vor übereilten Klagen

Die Finanzmarktkrise hat Kleinanleger und Bankkunden finanziell getroffen. Verbraucherschützer sehen in vielen Fällen klare Anzeichen für Fehlberatung, raten aber dazu, Klagen gründlich zu prüfen. In vielen Fällen lohnt sich der Aufwand nicht, da Ansprüche bereits verjährt sind.

HB DÜSSELDORF. Finanzmarktkrisen-Geschädigte sollten ihre Bank nicht voreilig wegen Falschberatung verklagen, um unnötige Kosten und juristische Fehlschläge zu vermeiden. Das empfiehlt die Verbraucherzentrale Berlin am Dienstag. "Viele Verbraucher haben heute Null Chance, weil ihre Ansprüche bereits verjährt sind", sagt der Finanzexperte der VZ, Peter Lischke. Gleichzeitig kritisiert die Verbraucherorganisation diesen Zustand und fordert eine unabhängige Beratung bei Geldanlagen und eine Abkehr von der dreijährigen Verjährungsfrist.

Der Vorsitzende der VZ Berlin, Jürgen Keßler, sprach im Zusammenhang mit der Finanzkrise von einem "eklatanten Maß an Fehlberatung" und von der "Verheimlichung von Risiken" gegenüber Verbrauchern. "Oft stehen nicht die Kundeninteressen, sondern die Rendite des Instituts im Vordergrund." Keßler forderte eine "anbieterunabhängige und umlagefinanzierte" Beratung. Kreditinstitute müssten für die Beratungskosten aufkommen. Außerdem sollten Geldanlagen in Risikoklassen eingeteilt werden, "damit der Verbraucher versteht, womit er es zu tun hat".

Finanzexperte Lischke kritisierte die derzeit gültige Verjährungsfrist. "Spätestens drei Jahre nach Erwerb des Papieres müssen Ansprüche geltend gemacht werden, wobei der Verbraucher der Bank die Fehlberatung nachzuweisen hat. Dies ist äußerst schwierig." Für viele Geschädigte der Finanzkrise sei die dreijährige Frist im Übrigen bereits abgelaufen.

Keßler bezeichnete die Verjährungsfrist als "bankenfreundliches Denken", das die Bilanzen der Banken reinige aber Verbraucherinteressen missachte. Auch griff er Anwälte an, "denen es bei Sammelklagen darum zu gehen scheint, möglichst viele Mandanten zu akquirieren" und damit von der Krise zu profitieren. Lischke warnte Verbraucher davor, ihre Bank voreilig wegen Fehlberatung zu verklagen. "Man muss die erheblichen Prozesskosten bedenken, um als Geschädigter in einem aussichtslosen Prozess nicht noch mehr Geld zu verlieren."

In den vergangenen Wochen hatten sich nach Angaben der VZ die Verbraucheranfragen in Berlin verdreifacht. Persönliche Beratungstermine seien zurzeit bis Ende November vergeben. "Wir sind momentan nicht in der Lage, dem dringenden Beratungsbedarf auch nur annähernd gerecht zu werden", sagte Keßler.

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