Anleihen, Fest- und Tagesgeld werden steuerlich attraktiver
Zinsanleger profitieren von Reform

"Retten Sie Ihr Geld vor der Abgeltungssteuer" - mit diesem Tenor umwerben Banken seit Monaten ihre Kunden. Doch der großen Mehrheit der Anleger droht kein Nachteil. Und Großverdiener stehen sogar besser da als jetzt.

FRANKFURT. "Retten Sie Ihr Geld vor der Abgeltungssteuer" - mit diesem Tenor umwerben Banken und andere Finanzdienstleister seit Monaten ihre Kunden. Bei vielen Anlegern hat sich nach Einschätzung der Verbraucherzentrale Bremen deshalb der Eindruck festgesetzt, dass mit der Abgeltungsteuer auf jeden Fall etwas Bedrohliches auf sie zukommt. Tatsächlich seien solche "alarmistischen Verallgemeinerungen" aber nicht richtig, meinen die Verbraucherschützer aus dem hohen Norden. Denn der großen Mehrheit der Anleger, die ihr Geld eher vorsichtig und einfach in Zinsprodukten anlegen, drohe kein Nachteil. Und Großverdiener stehen bei Zinsanlagen mit der ab 1. Januar 2009 geltenden Abgeltungsteuer sogar besser da als jetzt.

Diese Meinung teilen viele Experten. Die Abgeltungsteuer benachteiligt Käufer von Aktien, Aktienfonds und Zertifikaten - Zinsanleger gelten dagegen gemeinhin als die Gewinner der Reform. Bislang sind die Kursgewinne von Wertpapieren nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist steuerfrei, und Dividenden auf Aktien werden nur nach dem Halbeinkünfteverfahren veranschlagt. Künftig gilt für alle Kapitalerträge die 25-prozentige Pauschalsteuer. Das betrifft Kursgewinne, Dividenden und Zinseinnahmen gleichermaßen.

Genau hier liegt der Vorteil für Zinsjäger. Denn Zinseinnahmen werden nach der bis Ende des Jahres geltenden Regelung in Höhe des persönlichen Grenzsteuersatzes versteuert. Formal wird dabei zunächst eine Abschlagssteuer von 30 Prozent abgezogen und an das Finanzamt abgeführt. Damit ist die Steuerschuld aber noch nicht abgegolten. Das Finanzamt prüft, in welcher Höhe die Steuern tatsächlich zu entrichten sind. Liegen die insgesamt zu versteuernden Einkünfte über 26 000 Euro bei Ledigen und 52 000 Euro bei Paaren, sind Steuernachzahlungen fällig. Die tatsächliche Steuer kann bis zu 42 Prozent - oder bei sehr hohen Einkommen sogar bis zu 45 Prozent - betragen. Deshalb stehen Gutverdiener bei der ab 2009 geltenden pauschalen Steuer von 25 Prozent - plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer - auf Zinsanlagen besser da als mit der aktuellen Regelung.

Das gilt allerdings nur für die Anleger, die ihre Freibeträge von 801 Euro (Ledige) beziehungsweise 1 602 Euro (Paare) ausgeschöpft haben. Um diese Grenzen zu überschreiten, müssen Singles über 20 000 Euro und Paare über 40 000 Euro zu Zinssätzen von vier Prozent angelegt haben. "Für die meisten Bürger, die ihre Ersparnisse sicher auf Sparbüchern, Tages- und Festgeldkonten oder anderen festverzinslichen Produkten anlegen, ist das Problem Abgeltungsteuer damit schon weitgehend erledigt", betont die Verbraucherzentrale Bremen.

Ein kleiner Wehrmutstropfen für Zinsanleger, die ihre Freibeträge ausgeschöpft haben, ist allerdings, dass auch bei Anleihen künftig die Kursgewinne steuerpflichtig sind. Das ist bei Bonds aber weniger dramatisch als bei Aktien, weil die Kursgewinne in der Regel nur einen kleinen Teil der Gesamterträge ausmachen. Die Vorteile bei der niedrigeren Zinsbesteuerung von Rentenpapieren überwiegen deshalb den Nachteil der Besteuerung der Kursgewinne. Denn das Prinzip bei Zinspapieren ist, dass sie am Ende der Laufzeit zu pari - also zu 100 Prozent - zurückgezahlt werden; vorausgesetzt der Schuldner bleibt solvent. Deshalb schwanken die Kurse bei Anleihen prinzipiell sehr viel weniger als bei Aktien.

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