Anreiz statt Kontrolle
Wie die Putzfrau Steuern sparen hilft

Haushaltshilfen müssen angemeldet werden. Statt zu kontrollieren, schafft der Staat Anreize.

HB FRANKFURT. Bundesfinanzminister Hans Eichel hat der Schwarzarbeit den Kampf angesagt. Sein Druckmittel ist eine Behörde mit dem schönen Namen Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS), Hauptsitz ist Köln. Mehr als 4800 Beamte schwärmen seit Anfang des Jahres bundesweit aus, um Geheimniskrämer aufzuspüren, die den Staat und die Sozialversicherungen betuppen. Die Kontrolleure tauchen auf Baustellen auf, filzen Putzkolonnen in Bürohäusern und Taxiunternehmen. Eine Milliarde Euro jedes Jahr sollen die Fahnder reinholen. Um diese utopische wirkende Zahl zu erreichen, konzentrieren sich die Beamten auf große Fische. FKS-Leiter Eberhard Haake zum Magazin WirtschaftsWoche: "Wir können uns nicht mit Kleinkram beschäftigen."

Müssen sie auch nicht. Denn für Privatleute, die sich ihre Wohnung schwarz putzen lassen und den Maler oder Gärtner ohne Rechnung beschäftigen, hat Eichel eine andere Strategie zur Hand: Anreiz statt Druck. Für die kleinen Sünder schuf der Minister ein neues Steuersparmodell: Ein Teil der Kosten für Arbeiten im Haushalt ist danach von der Steuer abziehbar (siehe Tabelle). Eins zu eins mindern sie die Steuerschuld. Das soll zur Ehrlichkeit animieren. Das Steuerprivileg funktioniert für Mieter und Eigentümer gleichermaßen. Die Änderungen im Einzelnen:

Die Putzhilfe:

Zehn Prozent der Kosten kann jeder von der Steuerschuld abziehen, wenn er eine Putzhilfe als 400-Euro-Jobber unter Vertrag hat. Viele wissen das nicht. Sie haben zwar ihre Haushaltshilfe bei der Bundesknappschaft angemeldet und zahlen den Lohn plus zusätzlich zwölf Prozent an den Staat, holen sich aber die Abgaben nicht zurück. Dabei ist das möglich, zumindest größtenteils. Der Höchstbetrag liegt bei 510 Euro im Jahr. Ist die Haushaltshilfe fest angestellt, sind zwölf Prozent ihres Gehalts abziehbar. Die Jahreshöchstgrenze ist dann 2400 Euro.

Handwerker, Gärtner, Fensterputzer:

Wer Heim und Garten mit Hilfe von Profis in Schuss hält, kann 20 Prozent der Kosten beim Finanzamt angeben und damit die Steuerschuld drücken. Das Angebot ist allerdings gedeckelt auf einen Höchstbetrag von 600 Euro im Jahr.

Kinderbetreuer:

Für sie gilt das Gleiche wie für Handwerker und Gärtner. Nachhilfe oder Sprachunterricht wird dagegen nicht vom Staat unterstützt.

Gut gemeinte Angebote, die in vielen Fällen scheitern werden: Die meisten Putzhilfen werden lieber woanders arbeiten, als gemeldet zu werden. Entweder haben sie keine Arbeitserlaubnis, dürfen neben ihrer Hauptstelle keine Zusatzarbeit annehmen oder sind bereits als 400-Euro-Jobber gemeldet und fürchten nun finanzielle Einbußen. Will der Arbeitgeber seine Perle behalten, bleibt ihm keine Wahl, als sie weiter schwarz zu bezahlen.

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