Anwaltshonorar
Steuersünder dürfen Beratungskosten absetzen

Eine Selbstanzeige ist für Steuersünder eine teure Angelegenheit – nicht nur wegen der Strafzinsen. Auch die Kosten für Anwalt und Steuerberater sind enorm. Da kommt ein Urteil des Finanzgerichts Köln gerade recht.
  • 0

DüsseldorfSteuerhinterzieher, die derzeit in Massen die Flucht in die Steuerehrlichkeit antreten, sorgen nicht nur bei den öffentlichen Haushalten für einen unerwarteten Geldsegen. Auch Rechtsanwälte und Steuerberater können sich über mangelnde Arbeit dank solcher Mandanten nicht beklagen. Denn die Zusammenstellung der Unterlagen für eine korrekte Selbstanzeige ist mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Entsprechend saftig fallen dann die Rechnungen für die Beratung aus.

Kein Wunder also, dass deutsche Finanzgerichte jetzt mit der Frage konfrontiert werden, ob diese Beratungskosten als Werbungskosten abziehbar sind oder nicht. Die Antwort wird dabei aufgrund der seit dem Jahr 2009 geltenden Regeln für den Werbungskostenabzug bei Kapitalerträgen erschwert.

Denn mit der Einführung der Abgeltungsteuer legte der Gesetzgeber fest, dass nur noch der Sparer-Pauschbetrag in Höhe von 801 Euro je Person abgezogen werden darf. Ein Ansatz der tatsächlichen Kosten ist seither verboten. Dennoch lässt die Regelung eine Frage offen: Gilt dieses Abzugsverbot auch dann, wenn die Steuerhinterzieher für die Jahre vor 2009 ihre Kapitalerträge offenlegen und die Werbungskosten dafür erst jetzt entstehen?


Der Streitfall
Genau darum ging es in einem Streitfall, den das Finanzgericht Köln entschieden hat (Az.: 7 K 244/12). Die klagenden Eheleute hatten in ihrer Selbstanzeige Kapitalerträge für die Jahre 2002 bis 2008 nacherklärt. Insgesamt fielen dafür im Jahr 2010 rund 13.900 Euro an Rechtsanwalts- und Steuerberatungskosten an, die sie in ihrer Einkommensteuererklärung als Werbungskosten geltend machten. Das Finanzamt lehnte dies jedoch mit Verweis auf die geltende Gesetzeslage ab.

Die Kölner Finanzrichter sahen dies anders. Ihrer Ansicht nach ist der Abzug von 12.000 Euro Beratungskosten zulässig, da dieser Betrag ausschließlich auf die Ermittlung der nacherklärten Einkünfte für den Zeitraum bis Ende 2008 entfielen.

Dieser Teil dürfe daher als Werbungskosten in der Einkommensteuererklärung 2010 abgerechnet werden. Den von den Eheleuten eingeklagten Betrag ließen sie aber nur deswegen nicht in voller Höhe zu, weil im Falle einer Selbstanzeige nur die Kosten für die Zusammenstellung der Erträge aus den Kontoauszügen einbezogen werden dürften. Nicht abziehbar seien dagegen die Kosten für den Übertrag der Ergebnisse in die Erklärungsvordrucke und das übrige Ausfüllen der Einkommensteuererklärung.

Seite 1:

Steuersünder dürfen Beratungskosten absetzen

Seite 2:

Einspruch gegen Steuerbescheid

Kommentare zu " Anwaltshonorar: Steuersünder dürfen Beratungskosten absetzen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%