Außergewöhnliche Belastungen Krankheitskosten der Lese- und Rechtschreibschwäche absetzen

Die Behandlung einer Lese- und Rechtschreibschwäche gilt als außergewöhnliche Belastung und kann steuerlich geltend gemacht werden. Worauf Eltern achten sollten, erklärt das Bayerische Landesamt für Steuern. 
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Die Behandlung von Legasthenie ist auch eine finanzielle Belastung. Quelle: dpa
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Die Behandlung von Legasthenie ist auch eine finanzielle Belastung.

(Foto: dpa)

MünchenKinder mit einer Legasthenie oder mit isolierten Lese- oder Rechtschreibstörungen haben es im Alltag schwer. Bis die Krankheit erkannt ist, dauert es einige Zeit – und dann beginnt eine langwierige Therapie, die sich meist über mehrere Jahre hinzieht. Dazu kommt der psychische Stress, dem die Familie ausgesetzt ist. Gut zu wissen, dass die Kosten für eine Behandlung steuerlich geltend gemacht werden können.

Allerdings müssen dafür bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, wie das Bayerische Landesamt für Steuern jetzt in einer Verfügung mitgeteilt hat. Zunächst müssen Eltern die medizinische Notwendigkeit nachweisen. Hierfür genügt in der Regel eine entsprechende Bestätigung des Arztes. Allerdings reicht es nicht aus, wenn in der Bescheinigung lediglich die Diagnose bestätigt wird und kein Hinweis darauf enthalten ist, dass die gewählte Behandlungsmethode auch tatsächlich medizinisch notwendig ist.

Entschließt sich die Familie, die Legasthenie mit einer psychotherapeutischen Behandlung oder einer wissenschaftlich nicht anerkannten Behandlung zu therapieren, liegt der Fall etwas anders – ebenso, wenn das Kind zur Therapie auswärtig untergebracht wird, beispielsweise in einem Internat. Hier erkennt das Finanzamt die Behandlungskosten nur dann als außergewöhnliche Belastung an, wenn ein qualifizierter Nachweis vorliegt. Das kann ein amtsärztliches Gutachten oder eine ärztliche Bescheinigung des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung sein. Wichtig ist, dass dieser Nachweis vor Beginn der Therapie ausgestellt wird. Nur dann erkennt ihn das Finanzamt an.

Ob es sich bei der Therapie um eine wissenschaftlich nicht anerkannte Behandlungsmethode handelt, kann durch allgemein zugängliche Fachgutachten bestimmt werden. Zu derartigen Therapien werden alternativmedizinische Methoden gerechnet – etwa Homöopathie, Akupressur, Osteopathie und Kinesiologie –, Nahrungsergänzungsmittel, visuelle Biofeedbacks oder auch Prismenbrillen.

Bei der außergewöhnlichen Belastung zieht das Finanzamt automatisch einen Eigenanteil ab. Diese so genannte zumutbare Belastung muss der Steuerzahler selbst tragen. Erst, wenn diese überschritten ist, können Ausgaben steuerlich geltend gemacht werden. Die zumutbare Belastung richtet sich nach der Höhe der Gesamteinkünfte und Ihrer familiären Situation:

Die beliebtesten Finanzämter Deutschlands
Platz 10: Zehlendorf
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Die Pfaueninsel gehört zum Berliner Bezirk Zehlendorf und ist ein beliebtes Ausflugsziel. Aber die Zehlendorfer besuchen nicht nur gerne die Natur. Ihr Finanzamt hat es ihnen auch angetan. Das geht aus einer Auswertung des Online-Steuer-Portals Lohnsteuer-kompakt.de hervor. Das Zehlendorfer Finanzamt erzielt hier 4,59 von 5 Punkten bei den Befragten.

Quelle: lohnsteuer-kompakt.de

Platz 9: Oldenburg
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Auf dem Kramermarkt in Oldenburg ist es im Oktober Tradition, mit dem Kettenkarussell zu fahren. So viel Lebensfreude ist wohl ansteckend. Selbst im Finanzamt scheinen die Mitarbeiter nicht ihre gute Laune zu verlieren. Ihre Arbeit wird mit 4,65 von fünf Punkten bewertet.

Platz 8: Geilenkirchen
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Über Geilenkirchen wurden mit Sicherheit schon viele Witze gemacht. Jetzt lacht die Stadt zurück. Denn sie besitzt eines der besten Finanzämter Deutschlands. 4,67 Punkte hat es im Ranking abgeräumt und schafft es damit auf den achten Platz.

Platz 7: Mannheim-Stadt
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„Leben im Quadrat“ – das ist der Stadtslogan der Stadt Mannheim. Aber nicht nur geometrisch sind die Mannheimer begabt – das Finanzamt versteht sich auch ausgezeichnet auf sämtliche andere Zahlen. 4,71 Punkte erhält es durchschnittlich von den befragten Bürgern. Diese konnten sogar bewerten, wie zufrieden sie mit der Rückerstattung durch das Amt waren – und ihre Beurteilung nach Erhalt des Steuerbescheids noch ändern.

Platz 6: Solingen
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Schloss Burg ist nicht das einzige Ausflugsziel, das Solingen zu bieten hat. Vor allem für Einheimische lohnt hier ein Besuch des Finanzamtes – es hat mit 4,73 Punkten immerhin den sechsten Platz im Ranking abgeräumt.

Platz 5: Bayreuth
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Unter die Top Fünf hat es Bayreuth geschafft. Bekannt ist die Stadt in Bayern unter anderem für ihre Festspiele – und nun auch für ihr Finanzamt. Mit 4,77 von fünf Punkten haben es dessen Kunden ausgezeichnet.

Platz 4: Offenbach am Main II
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In Offenbach fand das ultimative Finanzamt-Battle statt. Die Stadt hat nämlich gleich zwei davon. Wirklich punkten konnte aber nur eins – das Finanzamt Offenbach II. Es erhält von seinen Kunden satte 4,8 Punkte. Finanzamt Offenbach I hat es nicht mal unter die Top Ten geschafft.

Die Zumutbarkeitsgrenze wird also in drei Stufen nach einem bestimmten Prozentsatz des Gesamtbetrags der Einkünfte bemessen. Laut aktueller Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs wird allerdings nur noch der Teil des Gesamtbetrags der Einkünfte, der den im Gesetz genannten Stufengrenzbetrag übersteigt, mit dem jeweils höheren Prozentsatz belastet.

Praxistipp:

Damit die Behandlungskosten der Legasthenie als außergewöhnliche Belastung angesetzt werden können, muss klar sein, dass die Lese-/Rechtschreibstörung auf einer Krankheit beruht. Dies ist laut Finanzverwaltung nicht der Fall, wenn die Störung allein auf das Entwicklungsalter des Kindes, eine unterdurchschnittliche Intelligenz, eine unangemessene Unterrichtung oder einen Mangel an Lerngelegenheiten zurückzuführen ist. In solchen Fällen kann die Lese- und Rechtschreibschwäche zwar therapiert, die Kosten dafür jedoch nicht steuerlich geltend gemacht werden.  

Dieser Artikel erschien zuerst bei unserem Kooperationspartner Haufe.de. Ist dieser Steuertipp interessant für Sie? Weitere Beiträge finden Sie auf dem Haufe-Finance-Portal.

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