Beamte wollen Schwarzeinkäufe aufdecken
Steuerprüfer nehmen Gastronomen unter die Lupe

Großhändler im Raum Köln, Bonn, Siegburg sowie ihre Abnehmer aus dem Gastronomiegewerbe müssen sich warm anziehen. Die Finanzbehörden rücken den Betrieben seit kurzem vermehrt mit Betriebsprüfungen und anonymen Testkäufen zu Leibe, um Steuerbetrügern auf die Schliche zu kommen.

HB DÜSSELDORF. Offiziell laufen diese Aktionen zurzeit nur im Rheinland. Wie das Handelsblatt aus der Finanzverwaltung erfahren hat, steht das Thema Testkäufe aber bereits auf der Tagesordnung für das nächste Treffen der Länder-Steuerreferenten.

Der Erfolg der Kölner beim Großhändler-Einsatz könnte jetzt auch dessen bundesweite Übernahme beflügeln. "Namen können wir wegen des Steuergeheimnisses natürlich nicht nennen. Aber in einem Fall handelt es sich um Steuernachforderungen im siebenstelligen Bereich", sagte Alexander Knüppel dem Handelsblatt. Knüppel ist Abteilungsleiter Steuerfahndung der Oberfinanzdirektion (OFD) Köln.

Anlass für die Ermittlungen sind Erkenntnisse darüber, dass es vor allem in der Gastronomie, aber auch bei Fleischwarengeschäften oder Delikatessenläden immer häufiger zu Schwarzeinkäufen kommt. Dabei erwirbt ein Wirt beispielsweise 100 Hektoliter Bier, die Hälfte davon auf Rechnung, die andere wird bar bezahlt. In seinen Büchern finden sich hinterher aber nur Angaben über den Rechnungskauf - der Rest wird am Fiskus vorbei unters Volk gebracht. "Die Großhändler sind oft gezwungen, dieses von den Gastronomen geforderte Rechnungssplitting mitzumachen, wollen sie am Markt überhaupt noch eine Chance haben", erzählt Knüppel.

Um dem einen Riegel vorzuschieben, sind die Fahnder jetzt dazu übergegangen, sich über die Händler an die Gastronomen heranzupirschen. Denn die Großhändler sind gesetzlich verpflichtet aufzuzeichnen, an welchen gewerblichen Abnehmer sie wie viel geliefert haben. Hinweise auf Betrug finden sich dabei nicht selten in den Leergut- oder Rabattkonten der Kunden. "Die Menge des zurückgebrachten Leerguts oder die Rabattgröße geben natürlich Aufschluss darüber, wie viel jemand tatsächlich gekauft hat", erläutert Martin Fliedner von der OFD Düsseldorf. Schlecht auch für die Händler - ihnen steht nicht selten ein Verfahren wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung bevor.

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