Beratung kann Wegfall großer Transaktionen nicht ersetzen
Krise trifft internationale Sozietäten

Kriselt die Wirtschaft, geht es den Rechtsberatern gut. Diese alte Regel, wonach Anwälte in rezessiven Phasen antizyklisch partizipieren, erweist sich in der jetzigen Finanz- und Wirtschaftskrise als Mythos. Zwar steigt in wirtschaftlichen Abschwungphasen der Beratungsbedarf bei Unternehmen, die kurz vor der Pleite stehen. Doch das Restrukturierungsgeschäft allein kann das Ausbleiben großer Transaktionen nicht ausgleichen.

GARMISCH. Denn seitdem die Mega-Deals ausbleiben, weil sich Banken, Private-Equity-Fonds und strategische Investoren aus dem Markt verabschiedet haben, fehlen den großen Kanzleien wichtige Einnahmequellen, die ihnen noch 2008 Rekordeinnahmen beschert hatten. Die Folge: Viele Wirtschaftskanzleien sind selbst über Nacht zu einem Restrukturierungsfall geworden. Vor allem englische Kanzleien sind stark betroffen. Bislang haben dort schon annähernd 3 000 Wirtschaftsanwälte ihren Job verloren. Tagesaktuelle Zahlen zu den Entlassungen auf der Insel liefert das Branchenblatt „The Lawyer“ über einen „Legal Job Watch“ im Internet.

Danach haben unter anderem Linklaters bislang 270 Anwälte entlassen, Allen & Overy 247, DLA Piper 176 und Clifford Chance 130 Anwälte. Doch nicht alle Kanzleien reagieren reflexartig mit Massenentlassungen auf die Krise. So hat Norton Rose seinen Anwälten gerade das Angebot unterbreitet, für ein Jahr lang auf 15 Prozent ihrer Bezüge zu verzichten und dafür nur noch an vier Tagen die Woche zu arbeiten. Alternativ können die Associates auch ein Sabbatical von bis zu drei Monaten nehmen, wenn sie dafür mit 30 Prozent ihres Basisgehalts auskommen.

In Deutschland hat zwar noch keine Kanzlei Kurzarbeit angemeldet. Doch auch hierzulande kämpfen etliche der Top-50-Kanzleien gegen deutlich zweistellige Umsatzeinbrüche. Vor allem die deutschen Ableger der Global Law Firms sind betroffen. Partner, die nicht genügend Neugeschäft an Land ziehen, müssen gehen oder werden herabgestuft. Und die verbliebenen Anwaltsgesellschafter leisten Kapitalspritzen, um die internationalen Verluste auszugleichen. Hält die Wirtschaftskrise weiter an, dürfte die Unzufriedenheit der Topberater steigen. Branchenbeobachter halten es dann sogar für möglich, dass die eine oder andere internationale Großkanzlei in Deutschland zusammenbricht.

Negative Konsequenzen hat der Abschwung auch für junge Nachwuchsanwälte. „Kanzleien, die bisher jährlich 50 High Potentials eingestellt haben, kommen jetzt auf maximal fünf bis zehn Anwälte. Einige der Top-20-Kanzleien stellen gar nicht mehr ein“, beschreibt Ina Steidl, Geschäftsführerin der Recruitmentfirma Schollmeyer & Steidl die derzeitige Situation. Zwar führen die Kanzleien aus dem Topsegment nach wie vor Einstellungsgespräche. „Aber selbst die wirklich guten Leute können sich derzeit nicht mehr sicher sein, dass sie im ersten Anlauf eingestellt werden“, sagt Steidl. Kandidaten mit „nur“ zwei Prädikatsexamen empfiehlt sie deshalb, „lieber noch eine Promotion oder einen LL.M.-Abschluss dranzuhängen“.

Für einige Kandidaten bieten sich zudem Alternativen in kleineren Kanzleien, wenngleich die First-Year-Associates dann Abstriche bei den Gehältern machen müssen, die im Topsegment bei 100 000 Euro liegen. „Bei 60 000 Euro bis 65 000 Euro Jahresgehalt ist in kleineren Rechtsboutiquen Schluss“, so Steidl. Doch für einen Berufsanfänger ist auch das noch sehr viel Geld.

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