Bermuda-Produkte: Steuersündern hilft jetzt nur Ehrlichkeit

Bermuda-Produkte
Steuersündern hilft jetzt nur Ehrlichkeit

Alle Geldanlagen und Versicherungen der letzten zwölf Jahre sollen Kunden der Credit Suisse dem Finanzamt melden. Und das innerhalb von vier Wochen. Was ehrliche und nicht ganz so ehrliche Steuerzahler jetzt tun müssen.

DüsseldorfEin sehr unangenehmes Schreiben des Finanzamtes haben wohl tausende Kunden der Credit Suisse erhalten. Sie sollen innerhalb von vier Wochen melden, welche Geldanlagen und Versicherungen sie in den vergangenen zwölf Jahren im In- und Ausland getätigt haben.

Hintergrund ist eine hohe Summe unversteuertes Vermögen auf den Konten der Bank. Auf bisher ungeklärten Wegen gelangte diese Information an die deutschen Steuerbehörden. Die Bank wälzt die Verantwortung auf die Kunden ab. Diese hätten unterschrieben, dass sie die Steuersituation selbst klären müssen.

„Wer dieses Schreiben vom Finanzamt erhalten hat, sollte absolut ehrlich darauf antworten“, empfiehlt Martin Wulf, Fachanwalt für Steuerrecht bei der Berliner Kanzlei Streck, Mack und Schwedhelm in Berlin. Wenn der Kunde zwar solche Bermuda-Produkte besitzt, diese aber versteuert hat, reiche es, das Finanzamt auf diese Steuerzahlung hinzuweisen. Die umfangreiche Auflistung der Geldanlagen und Versicherungen sei dann nicht nötig, sagt Markus Deutsch vom Deutschen Steuerberaterverband.

Komplizierter wird es für Kunden, die tatsächlich keine Steuern gezahlt haben. „Das vorliegende Schreiben des Finanzamts zeigt, dass es sich bislang um ein rein steuerliches Prüfungsverfahren handelt, ein Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung wurde noch nicht eingeleitet“, sagt Wulf. Unter Steueranwälten gelten solche Schreiben als „goldene Brücke“, denn sie lassen dem Steuerzahler die Möglichkeit einer Selbstanzeige.
„Wer sich selbst anzeigt, muss zwar die Steuern inklusive Zinsen nachzahlen, bleibt aber straffrei“, sagt Deutsch.

Für eine solche Anzeige sollten Betroffene auf jeden Fall einen Steuerberater oder -anwalt zu Rate ziehen. „Die vom Finanzamt festgesetzte Frist von vier Wochen ist viel zu kurz, um sämtliche Anlagen der vergangenen Jahre darzulegen“, sagt Wulf. Bei einer Selbstanzeige reiche aber zunächst auch eine Kurzfassung.

Die Bankkunden haben ihr Geld in sogenannte Bermuda-Produkte investiert. Dies sind Konten, die als Lebensversicherungen getarnt wurden und dadurch bei einer Laufzeit von mindestens zwölf Jahren steuerbefreit sind. In diesen Scheinversicherungen sollen mehrere Milliarden Euro vor dem Finanzamt versteckt worden sein.

Handelsblatt-Finanzkorrespondentin Katharina Schneider.
Katharina Schneider
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%