Berufskleidung und Steuern: Ein schwarzer Anzug ist keine Uniform

Berufskleidung und Steuern
Ein schwarzer Anzug ist keine Uniform

Ein Orchestermusiker wollte seine Ausgaben für einen schwarzen Anzug als Werbungskosten geltend machen, doch das Finanzamt wiegelte ab. Welche Kleidungsstücke tatsächlich steuerlich begünstigt werden.

MünsterWenn Steuerzahler versuchen, Ausgaben der privaten Lebensführung in die Steuererklärung aufzunehmen, reagiert das Finanzamt in der Regel ablehnend. Denn Kosten, die in irgendeiner Form mit dem Privatleben zu tun haben, können nicht als Betriebsausgaben oder Werbungskosten steuerlich geltend gemacht werden. Das gilt vor allem für die so genannten „unverzichtbaren Aufwendungen für die Lebensführung“. Diese Aufwendungen sind in aller Regel bereits durch das steuerliche Existenzminimum abgegolten. Zu diesen Kosten zählen unter anderem Ausgaben für Wohnung, Lebensmittel – und Kleidung.

Selbst wenn Arbeitnehmer verpflichtet sind, in ihrem Berufsleben bestimmte Kleidung zu tragen, heißt das noch lange nicht, dass sie diese auch steuerlich geltend machen können. Das hat jüngst das Finanzgericht Münster noch einmal klargestellt.

Im entschiedenen Fall hatte ein Arbeitnehmer, der als Musiker und Solist beim Philharmonischen Orchester angestellt war, geklagt. Aufgrund seines Dienstvertrags war er verpflichtet, bei Konzerten eine schwarze Hose, ein schwarzes Sakko, ein weißes oder schwarzes Hemd sowie eine Krawatte zu tragen. Dafür erhielt der Musiker von seinem Arbeitgeber ein monatliches Kleidergeld in Höhe von rund 12 Euro.

Seine tatsächlichen Kosten für Sakko und Hosen in Höhe von rund 550 Euro machte der Mann in seiner Steuererklärung geltend. Es handele sich um Berufskleidung. Eine private Nutzung des schwarzen Anzugs sei aufgrund des besonders hohen Verschleißes bei Konzerten und Auftritten so gut wie ausgeschlossen. Das Finanzamt erkannte die Kosten nicht an und auch das Finanzgericht Münster konnte der Argumentation nicht folgen (Az.: 8 K 3646/15 E). Die Kleidungsstücke stellten keine typische Berufskleidung dar, die Ausgaben dafür seien als Kosten der privaten Lebensführung anzusehen.

Um typische Berufskleidung handele es sich, wenn die berufliche Verwendung bereits durch ihre Beschaffenheit oder Unterscheidung – etwa bei Uniformen – oder durch ihre Schutzfunktion auskommt. Beides sei bei dem Orchestermusiker nicht gegeben, die Kleidung könne ohne Weiteres zu feierlichen privaten Anlässen getragen werden.

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