Beteiligung über einen Treuhänder wird zum Nachteil
Fonds verlieren Vorteile bei Erbschaftsteuer

Ein bundesweit geltender Erlass des baden-württembergischen Finanzministeriums wird bei vermögenden Anlegern geschlossener Fonds zu erheblichen Steuernachteilen im Erb- und Schenkungsfall führen.

rrl DÜSSELDORF. In dem Erlass wird festgelegt, dass die in den Paragraphen 13a und 19a Erbschaftsteuergesetz (ErbStG) genannten Steuervergünstigungen nicht gelten, wenn die Fondsanteile eines Fonds, dessen Gesellschafter Gewerbeeinkünfte erzielen, durch einen Treuhänder für den Anleger gehalten werden (AZ.: 3 - S 3806/01 v. 27.6.05). Wurde der Treuhandvertrag vor dem 1. Juli 2005 abgeschlossen, gilt die Regelung für nach dem 30. Juni 2006 eintretende Erbschafts- und Schenkungsfälle.

Der weit überwiegende Teil der Beteiligung an geschlossenen Fonds erfolgt über einen Treuhänder. Zu den Betroffen zählen insbesondere Anleger von Schiffs-, Film- und Windkraftfonds, die allesamt Einkünfte aus Gewerbebetrieb erzielen. Allein in den vergangenen fünf Jahren warben deren Anbieter Eigenkapital in Höhe von 20,5 Mrd. Euro ein. Nicht betroffen sind in der Regel so genannte Venture-Capital- und Private-Equity-Fonds. Deren Anleger erzielen Einkünfte aus vermögensverwaltender Tätigkeit.

Immobilienfonds-Investoren haben in Ausnahmefällen Einkünfte aus Gewerbebetrieb. Dazu zählen Immobilien-Leasing-Fonds, Beteiligungen an einem typischen Immobilienfonds mit Einkünften aus Vermietung und Verpachtung, wenn eine vorgeschaltete KG diese Anteile erwirbt, und so genannte 6b-Fonds. Letztere ermöglichen es, in eine Rücklage nach § 6b Einkommensteuergesetz geparkte Erträge aus Grundstücksverkäufen mit Steuervorteilen in einen Immobilienfonds zu investieren.

Eine Musterrechnung des Immobilienfonds-Initiators ILG Planungsgesellschaft für Industrie- und Leasingfinanzierungen GmbH ergibt folgendes Bild: Seit Jahresbeginn 2004 wurde von vererbten oder verschenkten Anteilen an einem Betrieb in Höhe von 300 000 Euro ein Betrag von 225 000 Euro steuerfrei gestellt. Auf die restlichen 75 000 Euro wurde ein Abschlag von 35 Prozent vorgenommen, so dass bei einem Steuersatz von 20 Prozent eine Steuerlast von 9 750 Euro entstand. Mit In-Kraft-Treten den Erlasses entfallen die Vorteile für vererbte Anteile an gewerblichen Fonds, wenn sie über Treuhänder gehalten werden. Die Steuerlast beträgt dann 60 000 Euro. Unter den großen Fondsanbietern ist die ILG die einzige, die Beteiligungen über Treuhandschaften ausschließt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%