Bewertungsprobleme bei IAS 39 bergen Konfliktstoff
Das Zahlenwerk der Banken wird zur Dauerbaustelle

Die Rechnungslegungsabteilungen der großen deutschen Banken sind in jüngster Zeit öfter Ausflugsziel der Konkurrenz. Kleinere Wettbewerber lassen sich von den Großen gerne mal zeigen, wie sie mit den neuen IAS 39 Rechnungslegungs-Standards umgehen, die ab 2005 Pflicht werden. Regeln, die eigentlich mehr Transparenz schaffen sollen, aber bisher hauptsächlich für Verwirrung sorgen.

DÜSSELDORF. Bis jetzt steht die endgültige Fassung des IAS 39 noch nicht einmal fest. Die Banken haben noch einmal eine Überarbeitung verlangt, kleinere Institute wie die Eurohypo haben noch gar nicht umgestellt.

"Mit den neuesten Regeln entspricht das ausgewiesene Ergebnis oft nicht mehr den wirtschaftlichen Gegebenheiten", klagt Bankenanalyst Georg Kanders von der WestLB. Möglichst nach Marktwert sollen nach den neuen Standards die Finanzpositionen der Geldhäuser bewertet werden, um damit ein realistischeres Bild vom ökonomischen Zustand eines Finanzinstituts zu erzeugen. Doch viele Ausnahmen haben zu einem schwer durchschaubaren Bewertungsmix geführt.

Nach Anschaffungswert hatte das alte HGB den weit überwiegenden Teil der Posten bewertet. Ein Prinzip, das vor allem das Risiko des rasch wachsenden Geschäfts mit Derivaten nicht mehr akkurat widerspiegelte. Absicherungspositionen wie Zinsswaps oder Termingeschäfte haben meist einen geringen Anschaffungswert, können jedoch je nach Marktlage ein bedeutendes Gewicht im Portfolio der Banken bekommen. Jetzt stehen diese Instrumente zum Marktwert in der Bilanz. Der Haken: Nach der bis jetzt gültigen Version des IAS 39 erschienen die mit den Hedgeposten abgesicherten Kreditportfolios nach wie vor zum Anschaffungswert in den Büchern. Das führte etwa bei der Commerzbank dazu, dass das Eigenkapital seit der Umstellung auf IAS in 2001 um 1,3 Mrd. Euro schrumpfte. Die gesunkenen Zinsen hatten zu hohen Buchverlusten bei ihren Zinsswaps geführt. Der abgesicherte Kreditbestand, der entsprechend an Wert gewonnen hatte, wurde weiter zu Anschaffungskosten bewertet.

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