BFH-Richter widersprechen der Verwaltungspraxis
Aktuelles Urteil kurz kommentiert: Aktienoptionen

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat entschieden, dass Aktienoptionen auch dann als außerordentliche Einkünfte günstiger zu besteuern sind, wenn nicht alle in einem Jahr eingeräumten Optionen auf einmal ausgeübt werden.

Dies gilt auch für Arbeitnehmer, die bei Optionsausübung nicht mehr im Unternehmen beschäftigt sind, nach Einräumung aber noch über ein Jahr dort tätig waren ( Az. VI R 136/01).

Kommentar:

Im konkreten Fall hatte die Klägerin vom Arbeitgeber eingeräumte Aktienbezugsrechte teilweise vor, teilweise nach ihrem Ausscheiden aus dem Betrieb ausgeübt. Das Finanzamt hatte die Ausübung der Option als Arbeitslohn behandelt, die günstigere Besteuerung nach der so genannten Fünftelungsregelung aber abgelehnt. Danach wird der anzuwendende Steuersatz so ermittelt, als sei nur ein Fünftel des Lohnes zugeflossen; die Steuerprogression wird gemildert. Auf diese Weise soll eine unbillig hohe Besteuerung bei Vergütungen für mehrjährige Tätigkeiten vermieden werden, bei der die Einkünfte mehrerer Jahre regelmäßig in einem Zeitpunkt zusammenfallen - und einen höheren Steuersatz nach sich ziehen, als bei Auszahlung des Lohns über mehrere Jahre.

Bisher wendete der Fiskus die Fünftelungsregelung nur an, wenn ein Arbeitnehmer alle in einem Jahr gewährten Optionen auf einmal ausübte. Die BFH-Richter widersprachen dieser Verwaltungspraxis und stellten klar, dass geldwerte Vorteile aus einem Aktienoptionsprogramm im Regelfall als Anreizlohn für eine mehrjährige Tätigkeit gelten. Mit Optionen, so der BFH, solle nicht die bis zur Einräumung, sondern die bis zur Ausübung geleistete Tätigkeit vergütet werden. Entsprechend sei die tarifbegünstigte Besteuerung anzuwenden, wenn zwischen Einräumung und Ausübung mehr als ein Kalenderjahr liege - unabhängig davon, ob alle Optionen eines Jahres zusammen oder über mehrere Jahre hinweg ausgeübt würden.

Arbeitnehmer profitieren von diesem Urteil: Sie können innerhalb der Ausübungsfristen des jeweiligen Optionsplans selbst entscheiden, wann sie wie viele Optionen einlösen, und bekommen dennoch eine Steuerermäßigung. Soweit nach dem Plan zulässig, gilt dies auch, wenn sie bei Ausübung der Aktienoption nicht mehr im Unternehmen beschäftigt sind und sogar noch nach Erreichen des Ruhestandes. Voraussetzung ist jedoch, dass sie nach Optionseinräumung noch über ein Jahr im Unternehmen beschäftigt waren.

Dr. Gunnar Knorr ist Rechtsanwalt und Steuerberater im Kölner Büro von Linklaters.

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