BFH-Urteil
Finanzrichter verschärfen Dienstwagen-Regeln

Wer seinen Dienstwagen ausschließlich beruflich nutzt, musste dafür bislang meist keine Steuern zahlen. Künftig gibt es die Steuerbefreiung nur als Gegenleistung für eine Fleißarbeit: Jede Fahrt muss dokumentiert werden.
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MünchenArbeitnehmer, die ihren Dienstwagen ausschließlich beruflich nutzen, müssen dies dem Finanzamt mit einem Fahrtenbuch nachweisen. Hat der Arbeitgeber die private Nutzung erlaubt, führt das nach Ansicht des Bundesfinanzhofs (BFH) auch dann zu einem geldwerten Vorteil, wenn der Wagen tatsächlich gar nicht privat genutzt wurde. Diesen Vorteil darf der Fiskus mit einem Prozent des Listenpreises besteuern. Der BFH hat damit seine bisherige Rechtsprechung korrigiert (Az.: VI R 31/10; VI R 46/11, VI R 42/12 und VI R 23/12).

Bislang blieben Beschäftigte zum Teil auch ohne Fahrtenbuch von einer Besteuerung des Firmenwagens verschont, wenn sie diesen nur beruflich nutzen. „Diese Möglichkeit ist nun entfallen“, teilte das oberste deutsche Steuergericht am Mittwoch mit. Wenn ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch nicht geführt werde, sei der Wagen grundsätzlich nach der Einprozentregel zu bewerten.

Für einen Wagen mit einem Listenpreis von 30.000 Euro müssen sie somit 300 Euro pro Monat versteuern, pro Jahr also 3.600 Euro. Bei einem persönlichen Steuersatz von 40 Prozent würden dadurch jährlich etwa 1.440 Euro Steuern fällig.

„Die Urteile sind angesichts der vorangegangenen Rechtsprechung zu Dienstwagen konsequent“, sagt Anita Käding vom Bund der Steuerzahler. Wer die Privatnutzung mit einem Fahrtenbuch widerlegen möchte, muss dabei jedoch sehr sorgfältig sein, damit es vom Finanzamt nicht verworfen wird. Entgehen kann man dem Fahrtenbuch nur, wenn der Arbeitnehmer ganz auf die Möglichkeit der privaten Nutzung verzichtet und praktisch auch keine Möglichkeit hat, das Fahrzeug privat zu nutzen - beispielsweise, weil es außerhalb der Arbeitszeit auf dem abgeschlossenen Firmengelände steht.

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Nutzungsverbot schützt vor Besteuerung

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  • Im Namen der Gerechtigkeit wird die Steuerschraube täglich fester gedreht. Und dann wundert man sich, daß bei steigender Steuerbelastung die Einnahmen sinken. Wie soll man noch Geld ausgeben oder investieren, wenn alles erst mal weggesteuert wird?
    Und dann sind es wieder die bösen Unternehmer, die nicht genug Arbeitsplätze schaffen.

  • Seit wann sind Steuern fair ? Vielleicht im Mittelalter (10%) oder zu Kaiser Wilhelms Zeiten (5%). Bitte aufwachen und den Versuch unternehmen der momentanen Gehirnwäsche der Politik zu wiederstehen.

  • Und dieser Schuss geht auch wieder mal nach hinten los, denn neben der Automobilindustrie, werden zahlreiche weiteren Firmen davon betroffen.
    Dem Staat entgehen Millionen an Steuereinnahmen und zum guten Schluss, werden die betroffenen Arbeitnehmer noch mehr tricksen, um sich an anderer Stelle, doch noch einen Nutzen zu verschaffen!

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