Steuertipp: Keine Werbungskosten für die Einbauküche

BFH-Urteil für Vermieter
Keine Werbungskosten für die Einbauküche

Bislang konnten Vermieter zumindest einzelne Teile einer neuen Einbauküche bei der Steuererklärung als Werbungskosten geltend machen. Ein aktuelles Urteil des Bundesfinanzhofs setzt dieser Praxis nun ein Ende.
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MünchenDie Einbauküche ist meist das erste, das in einem Mietobjekt erneuert werden muss. Ob Spüle, Elektroherd oder Einbaumöbel: Für den Immobilienbesitzer fallen je nach Ausstattung hohe vierstellige Summen an. Bislang konnten Vermieter diese Kosten zumindest teilweise noch im gleichen Jahr als Erhaltungsaufwand abziehen – zum Beispiel die Ausgaben für Spüle und Herd. Der Bundesfinanzhof hat nun in dieser Hinsicht rechtlich die Richtung gewechselt und schlägt restriktivere Töne an.

Im zugrundeliegenden Fall hatte ein Ehepaar in drei Eigentumswohnungen neue Einbauküchen angeschafft – inklusive Herd, Spüle, Elektrogeräte und Einbaumöbel. Insgesamt beliefen sich die Kosten auf knapp 10.000 Euro. Das Finanzamt verlangte zunächst, die Aufwendungen über die Nutzungsdauer von zehn Jahren abzuschreiben. Nach einem Einspruch der Eheleute durften immerhin die jeweiligen Kosten für Spüle und Herd sofort abgesetzt werden. Begründung: Es handele sich um erneuerte, unselbstständige Gebäudebestandteile und damit um Erhaltungsaufwand. Bei den Einbaumöbeln sei dies nicht der Fall.

Das Ehepaar klagte – und hatte das Nachsehen. Denn der Bundesfinanzhof ging noch einen Schritt weiter als das Finanzgericht, das die Klage als unbegründet zurückgewiesen hatte, und entschied gar nicht mehr im Sinne des betroffenen Steuerzahlers (Az.: IX R 14/15).

Demnach sind die Ausgaben für die komplette Erneuerung einer Einbauküche – inklusive Spüle, Herd, Einbaumöbel und Elektrogeräte – in einem vermieteten Immobilienobjekt nicht sofort als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung abzugsfähig. Vielmehr müssen sie über einen Zeitraum von zehn Jahren abgeschrieben werden.

Die geänderte Rechtsprechung beruht darauf, dass der Bundesfinanzhof den Begriff der wesentlichen Bestandteile bei Wohngebäuden neu definiert. Das Gericht argumentierte, dass die Ausstattung von Küchen mit Möbeln und Geräten in der jüngsten Vergangenheit einem starken Wandel unterworfen war. So würden Küchenspülen heute nicht mehr als eigenständige Möbeleinheit verbaut, sondern bestünden in der Regel nur noch aus einem Spülbecken in der Arbeitsplatte über einen Siphon.

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Die Küche ist ein „einheitliches Ganzes“

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