Börsenaufsicht
Was tun, wenn die SEC anklopft?

Steuersünder bei der UBS, schwarze Kassen bei Siemens, Korruptionsvorwürfe gegen Daimler - immer öfter langt der Arm der US-Justiz nach Europa. Und immer öfter bekommen Unternehmen Post von der US-Börsenaufsicht SEC und dem US-Justizministerium. Die wichtigste Regel für betroffene Unternehmen lautet: Ruhe bewahren und den weiteren Ablauf planen.

Steuersünder bei der UBS, schwarze Kassen bei Siemens, Korruptionsvorwürfe gegen Daimler - immer öfter langt der Arm der US-Justiz nach Europa. Und immer öfter bekommen Unternehmen Post von der US-Börsenaufsicht SEC und dem US-Justizministerium (DOJ). Was meist mit einer schlichten Anfrage der Ermittler (formal request for information) beginnt, endet für viele Unternehmen mit Geldbußen in Millionenhöhe. 600 Mio. Euro musste Siemens in die USA überweisen. Fast genausoviel kostete es die Schweizer Großbank UBS, dass ihre Kundenberater reichen Amerikanern beim Steuerbetrug geholfen haben sollen - rund 300 Mio. Dollar könnten dem Fiskus in Übersee damit entgangen sein. Der Autohersteller Daimler muss voraussichtlich wegen Korruptionsvorwürfen und Steuervergehen einen dreistelligen Millionenbetrag locker machen.

Das ist nach Schätzung von Experten erst der Anfang. US-Präsident Barack Obama will ausländischen Firmen stärker auf die Finger klopfen. Als Senator von Illinois hat er mehrere Gesetzesvorlagen eingebracht, die auf eine stärkere Überwachung ausländischer Unternehmen abzielten. "Falls der Präsident seinen Kurs in dieser Hinsicht nicht grundlegend ändert, werden deutsche Unternehmen noch mehr als bisher mit Untersuchungen von US-Fahndern rechnen müssen", sagt Tim Wybitul von der Kanzlei Mayer Brown. Er berät Unternehmen, wenn die SEC anklopft, zuletzt die UBS. Auch die neue SEC-Chefin Mary Shapiro hat angekündigt, bei Wirtschaftsdelikten hart durchzugreifen. Kein Wunder, denn die Geldstrafen fließen direkt in den US-Haushalt. "Deshalb suchen sich SEC und Justizministerium mit Vorliebe große, finanzstarke Firmen aus", sagt Wybitul.

Hilflos sind Unternehmen den US-Ermittlern aber nicht ausgeliefert, wenn sie einige Regeln beachten. Auch wenn die SEC Unternehmen in der Regel höchstens vier Wochen einräumt, um erste Antworten zu liefern, gilt: Ruhe bewahren. Oft funktionieren die Anfragen wie Schleppnetze, nach dem Motto: Wir haben Hinweise auf Schmiergeldzahlungen in Asien, sagt doch mal, wo ihr sonst noch so geschmiert habt, sonst wird es teuer. Statt dann in Hektik oder Schockstarre zu verfallen, sollten Unternehmen den weiteren Ablauf wie ein Großprojekt planen.

Erste Woche: Task Force und Datensicherung

Geklärt werden muss, wer Mitglied der Task Force wird und wer auf gar keinen Fall hinein darf, weil er zum Kreis der Verdächtigen gehört? Wer berichtet an wen? Idealerweise haben Unternehmen derartige Pläne in der Schublade, doch nach Wybituls Erfahrung hat das gerade eines von Hundert. Parallel zur Teamauswahl müssen Daten und Dokumente gesichert werden. Das geht am schnellsten über eine E-Mail an alle Mitarbeiter der betroffenen Abteilung. "Natürlich wird dann der eine oder andere Mitarbeiter versuchen, belastende Dokumente durch den Schredder zu jagen oder von der Festplatte zu löschen, wenn an den Vorwürfen etwas dran ist", sagt Wybitul. "Aber IT-Experten finden auch so genug Beweismaterial."

Seite 1:

Was tun, wenn die SEC anklopft?

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%