Bund fürs Leben
Warum deutsche Steuerfahnder einfach an Informationen über Anleger kommen

Neue Nummern: Vom 1. Juli an erhält jeder Deutsche vom Baby bis zum Greis eine Identifikationsnummer mit elf Ziffern. Anders als die bisherige Steuernummer gilt sie ein Leben lang und ändert sich nicht, wenn Steuerzahler in den Bereich eines anderen Finanzamts ziehen. Das Ziel: Einige Klicks sollen künftig reichen, um die komplette steuerliche Historie von Anlegern auf den Bildschirm zu holen. Haben sie früher hohe Kapitaleinkünfte gemeldet und plötzlich gar keine mehr? Solche Ungereimtheiten fallen dann schneller ins Auge und liefern Stoff für Nachforschungen.

Bis das System reibungslos funktioniert, dürfte aber noch Zeit ins Land gehen. Denn die Daten, die am Stichtag 30. Juni von den rund 5 500 deutschen Einwohnermeldeämtern an das Bundeszentralamt für Steuern in Bonn übertragen werden, müssen zunächst abgeglichen werden. Danach erhält jeder Bürger einen Brief mit seiner persönlichen Nummer.

Abgefragte Konten: Die Zustimmung war groß, als es hieß, dass die Kontenabfrage, die Finanzbeamten alle deutschen Bankverbindungen eines Steuerzahlers liefert, mit der Abgeltungsteuer 2009 entfallen könne. Klang logisch, denn von da an ist die Hinterziehung von Steuern auf Zinsen, Dividenden und Aktiengewinne hierzulande ja nicht mehr möglich - die Steuerpflicht ist mit dem automatischen 26,4-prozentigen Abzug durch die Bank abgegolten.

Doch die Freude war verfrüht. Wenn das Verfassungsgericht nicht einschreitet, wird nach 2008 weiter abgefragt. So sollen Finanzbeamte die Informationen auch künftig abrufen dürfen, wenn Anleger in der Steuererklärung Abzüge geltend machen, etwa für Kinder, Spenden oder Unterhaltszahlungen. Das dürfte die Regel und keineswegs die suggerierte Ausnahme sein. Zudem argumentiert der Fiskus, die Abfrage diene nicht nur dem künftig obsoleten Ziel, Anlegern verheimlichte Kapitaleinkünfte nachzuweisen, sondern vor allem dazu, Konten und Depots aufzuspüren, auf denen Schwarzgeld liegt, etwa unversteuerte Einnahmen von Unternehmern.

Fahnder können die Abfrage seit Februar 2006 zudem auf die meisten EU-Staaten ausweiten, sobald ein Steuerstrafverfahren läuft.

Gemeldete Zinsen: Seit dem 1. Juli 2005 informieren Banken in EU-Staaten den deutschen Fiskus automatisch über Kapitaleinkünfte von Kunden aus Deutschland. Luxemburg, Österreich und Belgien beteiligen sich aber nicht am Informationsaustausch, stattdessen ziehen die Institute in diesen Ländern von Zinsen eines Deutschen 15 Prozent Quellensteuer ab. So verfahren auch Banken in Nicht-EU-Ländern wie der Schweiz oder Liechtenstein. Der Steuersatz steigt am 1. Juli 2008 auf 20 und 2011 auf 35 Prozent.

Anonyme Anzeigen: Schon immer waren betrogene Ehefrauen, missgünstige Verwandte und gefeuerte Mitarbeiter wichtige Informationsquellen für Steuerfahnder. In den vergangenen Monaten ist die Zahl der Anzeigen aus dem privaten oder beruflichen Umfeld noch mal "signifikant gestiegen", berichtet Hans-Joachim Hesse, Leiter des Finanzamts für Steuerstrafsachen und Steuerfahndung in Essen.

Immer öfter geht es den meist anonymen Schreibern offenbar nicht mehr nur um private Rache. Laut Hesse begründen sie ihre Anzeigen zunehmend damit, Hinterziehung nicht tolerieren zu wollen.

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