Datenaffären verunsichern Mitarbeiter und Arbeitgeber
Welche Daten der Chef erfassen darf

Nach den Affären um Krankendaten von Mitarbeitern bei Lidl, Müller und Daimler wächst bei vielen Unternehmen die Unsicherheit, was denn bei den sensiblen Daten rechtlich erlaubt ist oder eben auch nicht. Die Sache sei komplizierter, als oft angenommen, sagen Arbeitsrechtler. Drei Fallbeispiele.

BERLIN. Lidls Deutschland-Chef musste gehen, weil sein Unternehmen Krankheiten von Mitarbeitern systematisch in firmeninternen Unterlagen festgehalten hat. Bei Daimler wurden im Werk in Stuttgart-Untertürkheim ärztliche Diagnosen und Krankheitsursachen im Rahmen eines sog. „Gesundheits- und Fehlzeitenmanagements“ von Mitarbeitern abgefragt. Nun geraten das Daimler-Werk in Bremen und auch die Müller Drogeriemarkt-Kette in den Fokus. Dort sollen so genannte „Krankenordner" angelegt worden sein.

Fälle über Fälle, die für die Arbeitgeber nicht nur ein schlechtes Image bedeuten können. Bei vielen Unternehmen wächst deshalb die Unsicherheit, wie denn mit Krankendaten umzugehen ist. Grundsätzlich gilt: Ist der Arbeitnehmer arbeitsunfähig erkrankt, ist er nach dem Gesetz (§ 5 Abs. 1 Satz 1 EFZG) nur verpflichtet, dem Arbeitgeber die Tatsache der Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer mitzuteilen. Nicht anzugeben ist die Art der Erkrankung.

„Doch ganz so einfach wie das zunächst klingt, ist die Sache dann auch wieder nicht“, sagt Arbeitsrechtler Jobst-Hubertus Bauer von der Kanzlei Gleiss Lutz in Stuttgart. Der Arbeitgeber könne durchaus ein legitimes Interesse an der Information über die Krankheitsursache seines Arbeitnehmers haben. Um die verzwickte rechtliche Lage zu klären hat Bauer für das Handelsblatt drei Fälle aus der Praxis genommen und sagt, wie der Arbeitgeber damit umgehen muss.

Fall 1: Ansteckende Krankheit

Der Arbeitnehmer erscheint zunächst zur Arbeit, obwohl er sich bereits unwohl fühlt. Der später aufgesuchte Arzt stellt eine äußerst ansteckende Krankheit (z.B. Pfeiffer'sches Drüsenfieber) fest. Er berichtet dem Arbeitnehmer von der Gefahr, dass dieser bereits andere Personen angesteckt haben könnte. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung enthält keine Angaben über die Diagnose.

Hier muss der Arbeitnehmer mit der Krankmeldung dem Arbeitgeber den Umstand seiner ansteckenden Erkrankung mitteilen. Nur so kann der Arbeitgeber seiner Fürsorgepflicht gegenüber den anderen Arbeitnehmern nachkommen und diesen etwa zu einem umgehenden Arztbesuch raten. In diesem Fall muss es ihm auch möglich sein, die Information zu archivieren. Im Einzelfall hat er sogar ein Auskunftsrecht gegenüber dem erkrankten Arbeitnehmer.

Seite 1:

Welche Daten der Chef erfassen darf

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%