Dem Fiskus entkommen

So können Privatleute Steueroasen nutzen

Von niedrigen Steuern träumen viele. Doch selbst, wer den Geldkoffer über die Grenze in eine vermeintliche Steueroase schafft, kann kaum noch profitieren. Was Vermögende wirklich tun müssen, um dem Fiskus zu entgehen.
21 Kommentare
Wer Steuern sparen will, muss nicht gleich auf eine ferne Insel auswandern. Quelle: TripAdvisor

Wer Steuern sparen will, muss nicht gleich auf eine ferne Insel auswandern.

(Foto: TripAdvisor)

DüsseldorfSchon wieder gibt es eine Steueroase weniger – so zumindest ist es dieser Tage häufig im Zusammenhang mit dem Rettungspaket für Zypern zu hören. Doch für den betuchten deutschen Privatanleger war Zypern aus steuerlicher Sicht schon früher keine Oase mehr. Profitieren können von den niedrigen Steuern meist nur noch große Unternehmen.

Schon seit Ende 2011 gibt es ein Steuerabkommen zwischen Deutschland und Zypern, das nicht mehr nur die Doppelbesteuerung, sondern auch sogenannte Steuerverkürzungen verhindern soll. Steueroasen trocken legen, das ist schon seit Jahren das erklärte Ziel der OECD – der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung – und vieler Finanzminister.

Insbesondere die USA und Deutschland machten zuletzt ordentlich Druck: Sogar mit Singapur, das zwischenzeitlich als Fluchtort für Gelder aus der Schweiz gehandelt wurde, hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ein neues Steuerabkommen vereinbart. Das soll die international vereinbarten OECD-Standards für den Informationsaustausch enthalten. Künftig sollen also Daten über Kapitalerträge von Bundesbürgern nach Deutschland übermittelt werden.

„Fast im Monatstakt hat Deutschland im vergangenen Jahr Steuerinformationsabkommen mit anderen Ländern abgeschlossen“, sagt der Berliner Steuerberater Markus Deutsch. „Ein Land, in dem Schwarzgeld noch wirklich sicher ist, gibt es nicht mehr.“ Die Welt sei zu stark vernetzt, der Druck enorm gewachsen und täglich könnten neue Abkommen folgen. „Wir sehen eine Entwicklung vom absoluten Steuergeheimnis hin zum gläsernen Steuerzahler“, so Deutsch.

Das eigentliche Problem ist die Erbschaftsteuer
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Dem Fiskus entkommen - So können Privatleute Steueroasen nutzen

21 Kommentare zu "Dem Fiskus entkommen: So können Privatleute Steueroasen nutzen"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ Humanist


    Zitat : Im Rahmen der Heranziehung von Vermögen zur Vermögen- und Erbschaftsteuer

    - In diesem Fall haben Sie Recht, zumal die Vermögenswerte offen liegen.

    Aber in sehr vielen anderen Fällen...ein Fall ist z. B Steuerhinterziehung durch Großkonzerne, wie Sie es beschrieben haben, und in diesem Fall braucht man Deutschland auch nicht zu verlassen, um sich eine Tochter z.B. in Holland zu gründen...zumal Trusts einem auch zu Hause in der Sache behilflich sind......!

    - Aus den auf die kriminelle Weise beschaffte CD´S in NRW habe ich noch nie Namen vernommen, die man normalerweise im Rahmen der gerichtsmäßigen Verfolgung dieser Steuersünder hätte hören müssen !
    Mit anderen Worten ist die Sache unter den Teppich gekehrt....anders verstehe ich es nicht.

    Und, hier haben Sie wohl auch Recht, im September ist ALTERNATIV-Wählen angesagt......auch um den Sumpf und Filz trocken zu legen !

  • Nochmals sorry vicario - CDs berichten über Schwarzgeld, also Hinterziehung von Einkommensteuern: Das toleriere ich nicht, obgleich ich aus Gründen der Rechtsstaatlichkeit auch keinen CD-Kauf toleriere, denn mit Kriminellen macht ein Rechtsstaat keine Geschäfte – wir sind ja hier nicht in Italien. Im Rahmen der Heranziehung von Vermögen zur Vermögen- und Erbschaftsteuer geht es um legale Vorgänge einer Substanzbesteuerung nach dem Lage- oder Wohnsitzprinzip und hier ist eine Wohnsitzverlagerung heute erschwert, aber legal möglich: In Deutschland muß sie jetzt bereits mindestens 5 Jahre vor Besteuerung erfolgt sein. Aber ein Briefkasten kann nicht als Wohnsitz fungieren. Den ganz großen legalen Trick praktizieren allerdings international tätige Firmen: Durch Verrechnungspreise werden Gewinne in die Niedrigsteuerzonen und Verluste in die Hochsteuerzonen verteilt - wie gesagt, ganz legal: zum Beispiel hat sich VW, ein Unternehmen mit qualifizierter staatlicher Beteiligung (VW-Gesetz) offen gerühmt in einer Besteuerungsperiode 1,0 Mrd. Euro Steuern „gespart“ zu haben. Auf diese ganz legale Weise ist der Anteil der Firmen und Wohlhabenden am Gesamtsteueraufkommen von 37% in 1950 auf 16% in 2009 gerutscht – Sie sehen, ihre Probleme kann man nicht über CDs und Briefkästen lösen, sondern nur über eine „Alternative (Steuerpolitik) für Deutschland“ – denken Sie im September daran!!!

  • @ Humanist

    Zitat : Sorry-Vicario, aber es geht um die Heranziehung großer Vermögen durch Besteuerung oder Beschlagnahme

    - in beiden Fällen von Ihnen ist aber das Vermögen "bekannt ", da mögen Sie Recht haben.

    Es gibt aber sehr viel Vermögen, das man gerade verschleiern will....und hier brauchen Sie nicht mal aus Deutschland weg......Sie werden auf die Oasen von D aus geleitet !

    Aber auch beim bekannten Vermögen ist es so eine Sache.......oder haben Sie schon mal Namen von den gekauften CD`s gehört ?

  • Sorry-Vicario, aber es geht um die Heranziehung großer Vermögen durch Besteuerung oder Beschlagnahme: Und das geht in allen Ländern der Welt nur nach dem Wohnsitz - Briefkasten reichen da schon lange nicht mehr - so schlau sind die Finanzminister weltweit schon geworden.

  • Sorry – Liberty, aber den von Ihnen propagierten Weg ist ja Europa gegangen, als es die seit 1871 verschärften, andauernden Hegemonieprobleme zu lösen glaubte. Und wir wissen heute, viele haben es in den achtziger- und neunziger Jahren schon gewusst, als es um den Delors-Plan ging: Daß das der falsche Weg ist, wenig demokratisch, wenig freiheitlich: nämlich über eine einheitliche Währung eine politische Union zu erzwingen: Zwang ist weder freiheitlich noch demokratisch. Und in den Köpfen der Menschen Europas war immer die Vorstellung eines Europas der Vaterländer, in denen die Eigenheiten einer Nation weiter gepflegt werden können, und, sollte das unbezahlbar werden, ein gütiger Vater im Hintergrund die Rechnung zahlt. Das ist gründlich schief gegangen und das Schlimmste ist: Wir kommen da nicht mehr vor dem bitteren Ende raus; wie Hans Werner Sinn sagt: Wir sitzen in der Falle.
    Aber das im Weltmaßstab, wie Sie vorschlagen, mag ich mir gar nicht erst vorstellen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Klaus Peter Kraa

  • Zitat : „Wer wirklich Geld hat und Steuern sparen will, der muss aus Deutschland weggehen.“

    Keiner muß aus Deutschland weggehen. Es reicht, wenn man Stiftungen, Briefkastenfirmen, Strohmänner, etc. in den Oasen anmeldet. So einfach ist das !

  • Liberty...Bericht von Humanist ist oK..aber ethik ??? die gibt es nicht mehr oder ganz wenig....selbst in TH wo die Mönche in einfachen Gewändern pilgern, wird die Unterschicht ausgebeutet.Wir brauchen eine einheitliche Weltsteuer, Weltwährung und einheitliche Welt- Löhne + Preise. ein Arbeits-punkte +Lohnsystem der Arbeitskraft, was oben gedeckelt ist z.B. max € $ 300 TSD. ! damit wäre jeder Spekulation, gier nach Geld etc. der Boden entzogen !! Paps Fanciscus legt mit seiner Einfachheit die Wurzeln...es fehlt aber noch sehr viel bis diese Wurzeln in voller Blüte stehen...

  • Im Hinblick auf die notwendige Einnahmeerzielungsabsicht der Staaten ein richtiges Prinzip: Besteuerung des Welteinkommens über den Wohnsitz. Und der Wohnsitz wird dort gewählt, wo der ethisch vernünftigste Gebrauch des eingehenden Steuergeldes erfolgt: Das ist zurzeit offensichtlich nur die Schweiz. Also, etwas klein ist die Auswahl und scheint sich immer mehr zu verringern. Hinzu kommt, daß es sich nur wenige leisten können, wegen der Steuerverteilung den Wohnort zu wechseln. Es gibt also für die Masse der Steuerpflichtigen nur einen Weg, für eine ethisch vernünftige Verwendung der Steuergelder zu sorgen, nämlich den im eigenen Land und Wohnsitz: Dazu müsste man allerdings richtig wählen und das heißt in diesem unserem Lande dafür sorgen, die verkrustete Struktur der farbentragenden Parteien rot-rot-grün-gelb-schwarz, diesen monolithischen Block bis hin zur Dritten Gewalt aufzubrechen und durch eine Partei des wirklichen Aufbruchs zu den richtigen Antworten auf die Fragen der Zeit zu ersetzen: Hier sehe ich zur Zeit nur eine Ausweichmöglichkeit: Alternative für Deutschland.
    Mit freundlichen Grüßen
    Klaus Peter Kraa

  • Wie so oft, ist zwar der Wunsch möglichst steuern zu sparen, oft der Vater des Gedankens, aber wenn man mal analysiert mit welchem Aufwand unter dem Strich, von einer Ersparnis auszugehen wäre, wenn man konsequent diesen Weg begleitet von professionellen Helfern gehen muß, bleibt es letztlich nur bei dem Gedanken!
    Nur für eine Handvoll Leser vom HB macht es überhaupt Sinn, sich mit einem wirklich großen Vermögen im Rücken, darüber letztlich Gedanken zu machen.
    Wir kleinen braven Mittelständler, sollten uns sicherlich lohnenswerteren Zielen zuwenden!

  • @Sylvia: Danke für die Erklärungen. Ich hätte es nicht besser sagen können!

    Ich liege keinem auf der Tasche, sondern arbeite als Selbständiger aber einfach weniger und zahle damit auch weniger Steuern.

    Es war heute übrigens ein sehr schöner sonniger Spaziergang mit meinem Hund :)

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%