Der Präsident des Deutschen Standardisierungsrats im Gespräch
Klaus Pohle: „Da wird auch Propaganda gemacht“

Klaus Pohl, Päsident des Deutschen Standardisierungsrat, erklärt im Interview, welche Auswirkungen die Einführung der internationalen Rechnungslegung für Deutschland haben wird. Er geht davon aus, dass nach 2005 nur eine kleine Prozentzahl von Unternehmen freiwillig auf IAS umstellen wird.

Handelsblatt: Herr Pohle, wie steht es mit der Einführung der internationalen Rechnungslegung in Deutschland?

Klaus Pohl: Price Waterhouse Coopers hat in einer Untersuchung geschätzt, dass etwa 1  000 Unternehmen in Deutschland betroffen sind. 550 davon hatten bis Ende 2003 umgestellt, und ich gehe davon aus, dass die meisten anderen es zu Beginn dieses Jahres gemacht haben.

Was sind die Auswirkungen in der Bilanz? Schnellt jetzt bei den deutschen Unternehmen die Eigenkapitalquote nach oben?

Sie wird etwas höher liegen, weil nach IAS mehr Werte in der Bilanz als gegeben angesetzt werden, als dies nach dem HGB mit seinem konservativen Vorsichtsprinzip der Fall war. Gegenläufig wirkt aber nun die Verpflichtung, die Pensionsverbindlichkeiten höher anzusetzen, als es im HGB der Fall war.

Wird der Unternehmenswert stärker schwanken, wenn nach IAS bilanziert wird?

Volatiler wird es nur bei den Banken. Diese arbeiten viel mit Finanzinstrumenten, und hier hat die Umstellung auf den Zeitwert größere Auswirkungen. Bei der Industrie ergeben sich weniger Probleme, außer bei den Währungssicherungsgeschäften.

Wird die Verpflichtung zum IAS-Abschluss auf die nicht kapitalmarktorientierten Unternehmen ausstrahlen, etwa auf die größeren Mittelständler?

Das werden wir wahrscheinlich erst auf längere Frist sehen. Es gibt in Deutschland um die 200  000 Konzernunternehmen, die nicht kapitalmarktorientiert sind. Ich vermute, dass nur ein kleiner Prozentsatz davon nach 2005 freiwillig auf IAS umstellen wird .

Kommt da kein Druck von den Banken?

Das wird ein längerfristiger Prozess sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Banken ab 2006 bei nicht-börsennotierten Unternehmen darauf pochen werden.

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