Deutsches Recht kann Vorteile zunichte machen
Hinter dem Grenzzaun lockt das Steuerparadies

Um Kosten zu sparen, werden auch in diesem Jahr wieder zahlreiche deutsche Unternehmer betriebliche Leistungen oder gar ihr ganzes Unternehmen ins Ausland verlagern. Lohnkostenvorteile, flexiblere Arbeitszeiten und weniger Bürokratie sind die Hauptmotive für den Umzug, wie aus einer letzte Woche veröffentlichten Umfrage des Deutsche Industrie- und Handelskammertags unter 1 500 Unternehmen hervorgeht.

HB DÜSSELDORF. Als weiterer Anreiz locken anderenorts signifikante Steuervorteile. "Vor allem die neuen EU-Staaten Mittel- und Osteuropas betreiben offensives Steuermarketing durch niedrige Steuersätze und Sonderwirtschaftszonen", sagt Monika Kastl, Partnerin der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödl & Partner. Mit Ausnahme von Tschechien und Slowenien liegen die Körperschaftssteuersätze dort zwischen 16 und 20 %. Die Gewerbesteuer, die in Deutschland noch einmal 20 % Aufschlag ausmacht, gibt es nur in Ungarn, dafür besticht das Land mit 50 %iger Steuerfreiheit für Lizenzen und doppelter Abzugsfähigkeit von Aufwendungen für Forschung und Entwicklung.

"Allerdings beinhaltet das deutsche Steuerrecht zahlreiche Vorschriften, die die Vorteile umgehend wieder zunichte machen, wenn man sich nicht auskennt", schränkt Steuerfachanwalt Richard Schmidt von der Kanzlei McDermott Will & Emery, ein. Größte Sorgfalt ist jeweils geboten - angefangen von der Wahl der Rechtsform über die Struktur bis hin zu den richtig dokumentierten Verrechnungspreisen, mit denen sich Gewinne ins Ausland verschieben lassen.

"Gerade bei der Wahl der Rechtsform können Unternehmen große Fehler machen", warnt Wirtschaftsprüferin Kastl. Viele deutsche Unternehmen sind in der Rechtsform der GmbH & Co KG organisiert. Gründen sie dann eine Auslandsgesellschaft, ist es oft eine GmbH oder AG, was zu einer höheren Steuerbelastung führt - in Polen etwa 37,5 %. Ist die Auslandstochter dagegen eine Personengesellschaft, liegt der Steuersatz nur bei 19 %. Der Grund: Die Gewinne müssen aufgrund von Doppelbesteuerungsabkommen nur im Ausland versteuert werden. Durch die Ausschüttungen nach Deutschland werden keine weiteren Steuerbelastungen ausgelöst.

Einem Steuerproblem des grenzüberschreitenden Outsourcings lässt sich bisher allerdings auch mit optimaler Gestaltung nicht beikommen, nämlich der Aufdeckung stiller Reserven. "Grundsätzlich gilt, dass bei einer Sitzverlagerung ins Ausland die stillen Reserven aufgedeckt und versteuert werden müssen", erläutert Schmidt. Auch bei der bloßen Funktionsverlagerung von Abteilungen ins Ausland kann es teuer werden: Bei der damit verbundenen Übertragung von Wirtschaftsgütern müssen die hierin schlummernden stillen Reserven aufgedeckt werden. Das gilt auch, wenn nur Gewinnchancen verschoben werden, indem man Patente oder Lizenzen ins Ausland überträgt. Trotzdem könne sich das anbieten, wenn der Wert des Patents zur Zeit der Übertragung ins Ausland noch weit unter dem Wert liege, den man später mit dem Patent im Ausland zu erwirtschaften hofft, rät Schmidt. Bei Verlagerungen im Inland dürfen dagegen die Vermögensgegenstände zu Buchwerten in der ausgelagerten Abteilung fortgeführt werden.

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