Die EU-Erweiterung verschärft den Steuerwettbewerb
Osteuropa – die neue Steueroase

Was den Steuerexperten in Bundesfinanzministerium und Kanzleramt schon seit längerem Sorge bereitet - nun können sie es schwarz auf weiß nachlesen: Mit dem EU-Beitritt von zehn neuen Staaten am 1. Mai kommt ein rasanter Steuerwettbewerb auf Deutschland zu.

DÜSSELDORF. Vor allem in Osteuropa tun sich für deutsche Investoren profitable neue Steueroasen auf. Dies belegen jetzt zwei neue Studien zur steuerlichen Belastung von Kapitalgesellschaften, die auf Analysen von Christoph Spengel, Ökonom an der Universität Gießen, sowie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG beruhen. "Im Durchschnitt", warnt Spengel, "unterschreitet die Effektivbelastung in den Beitrittsstaaten im Jahr 2004 das Steuerniveau in Deutschland um mehr als 16 Prozentpunkte".

Sowohl seine Analyse als auch die von KPMG kommen zum Ergebnis, dass die Ertragsteuerbelastung von in Deutschland ansässigen Unternehmen mit etwa 38 % in 2004 noch immer entschieden zu hoch ist und - so Spengel - Investitionen in den neuen Beitrittsstaaten unter Berücksichtigung von besonderen Steuervergünstigungen sogar effektiv auf 40 % der deutschen Steuerbelastung heruntergedrückt werden können. Am attraktivsten ist nach beiden Untersuchungen die osteuropäische Republik Litauen mit einer durchschnittlichen Steuerbelastung von 13,1 % - die sich sogar wegen bestimmter Steuervergünstigungen noch auf maximal 7,3 % verringern kann. Danach folgen Lettland, Zypern, die Slowakei und Polen. Diese Staaten liegen nur unwesentlich über der Körperschaftsteuerbelastung im Steueroasenstaat Irland (12,5 %).

Bernd Erle, im KPMG-Vorstand für den Geschäftsbereich Tax zuständig, resümiert das Ergebnis des Steuervergleichs seines Hauses für 69 Länder der Welt so: Der Wettbewerb um Investitionen werde mittelfristig zu einer weiteren Senkung der Körperschaftsteuersätze in den osteuropäischen Beitrittsländern führen. Ungarn und Lettland hätten bereits eine Reduzierung beschlossen, andere Länder könnten folgen. "Für Deutschland", sagt Erle, "bedeutet dies eine Verschärfung des Standortwettbewerbs."

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