Die Zöllner in Weil am Rhein konzentrieren sich auf die nach Deutschland Einreisenden
Manchmal weinen sie

Das Schweizer Nummernkonto ist abgeschafft, anonyme Überweisungen aus der Schweiz sind nicht mehr möglich. Wer Geld unauffällig nach Deutschland bringen will, kann es jetzt nur noch im Gepäck versuchen. Aber an der Grenze wartet der Zoll.

Das schöne Leben endet in der Lustgartenstraße 1. Es ist der Sitz des Autobahnzollamts Weil am Rhein, direkt an der Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz. Bis Basel sind es nur ein paar Hundert Meter. Ein Ehepaar um die 60 wartet im Flur des Achtzigerjahrebaus. Die gepolsterten Stühle, auf denen sie sitzen, haben Flecken. Viele haben hier schon geschwitzt.

Auch das Paar sieht angespannt aus. Auf seiner Stirn stehen Schweißperlen, sie wippt mit dem Fuß. Die Minuten ziehen sich. Sie warten auf die Zöllnerin. Aber das kann noch dauern, sie schreibt eine Anzeige an das Finanzamt. Das ist schlimm, denn die beiden wurden gerade an der Grenze mit 25 000 Euro Bargeld erwischt, das sie aus der Schweiz nach Deutschland schaffen wollten.

30 000 Autos passieren täglich die Grenze. Alle drei Sekunden ein Wagen. Und immer wieder ist Bargeld an Bord. Geld, das Deutsche unter der Fußmatte, im Handschuhfach oder einfach in der Hosentasche vor dem Fiskus in die Schweiz retten oder von dort zurück in die Heimat holen. In der Steueroase Schweiz sind für Deutsche Dividenden, Zinsen und Kursgewinne steuerfrei. Ein Paradies.

Das Paar, das auf der Büßerbank bibbert, kam vor etwa einer halben Stunde von der Schweiz an die Grenze gefahren. Ein Wagen nach dem anderen wurde vor ihnen durchgewunken. Sie fühlten sich fast sicher. Bis die blonde Zöllnerin Sabine Cichoreck ihren dunkelblauen Mercedes anhielt. An ihrem Gürtel trägt sie Pistole und Handschellen. "Haben Sie Bargeld, Wertpapiere oder Schecks im Gesamtwert von 15 000 Euro oder mehr bei sich?"

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