Doch selbst die beste Vorbereitung schützt nicht vor bösen Überraschungen
Nur keine breiten Nadelstreifen

Strafverteidiger fungieren auch als Modeberater und Coach. Denn neben guten Argumenten ist die überzeugende Außenwirkung wichtig, um einen Prozess für sich zu entscheiden.

DÜSSELDORF. Die Straße vor dem Düsseldorfer Landgericht wird zweimal pro Woche zum Laufsteg. Fernsehkameras verfolgen jeden Schritt der im Mannesmann - Prozess angeklagten Manager auf dem Weg vom Auto ins Gericht. Fotografen rangeln um gute Plätze, Journalisten stellen immer gleiche Fragen.

Doch die Angeklagten, darunter Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Ex-Mannesmann-Vorstand Klaus Esser, lächeln gequält und schweigen. Diese Taktik haben ihre Anwälte den Managern schon Wochen vor Prozessbeginn eingetrichtert. Sie haben ihren Mandanten erklärt, wie sie sich fürs Gericht anziehen sollen, wie sie am besten auf Fragen der Staatsanwälte reagieren und dass sie auf keinen Fall mit Journalisten reden dürfen.

Die penible Vorbereitung der Manager auf die Begleitumstände des Wirtschaftsstrafprozesses gehört zum Handwerkszeug der Verteidiger. Das öffentliche Interesse am Düsseldorfer Prozess ist gerade für Unternehmenslenker wie Josef Ackermann eine echte Herausforderung. Zwar ist der Bank-Chef Rummel um seine Person gewohnt. Aber "ein Strafprozess ist eben keine Bilanzpressekonferenz", vergleicht der Frankfurter Star-Verteidiger Eckart Hild. Anwälte beraten ihre Mandanten deshalb nicht nur juristisch. Immer mehr werden sie zu Medien- und Kommunikationstrainern. Denn ein leichtfertig gezeigtes Siegeszeichen, von dem die Öffentlichkeit früher kaum erfahren hätte, prangt heute auf jeder Titelseite.

Wer den Prozess für sich entscheiden will, für den ist neben guten Argumente die überzeugende Außenwirkung wichtig. "Angeklagte haben viel Einfluss auf das Ergebnis eines Prozesses", urteilt Egon Stephan, Professor für Rechtspsychologie an der Universität Köln. Dafür müssen sie der Situation angemessen auftreten. "Vor Gericht müssen sich Manager ganz anders verhalten als in ihrem Unternehmen." Doch gerade damit haben viele Führungskräfte ein Problem, meint der Psychologe. "Vielen Managern in Spitzenpositionen mangelt es an sozialer Kompetenz. Sie sind keinen Widerspruch mehr gewohnt." Auf der Anklagebank müssten sie sich aber zurück nehmen, dem Gericht Achtung zollen. "Das muss der Anwalt seinem Mandanten vorher im Zweifel deutlich sagen", erzählt Stephan.

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