Doppelte Haushaltsführung
Eine Stunde Pendeln ist zumutbar

Die doppelte Haushaltsführung ist ein lukratives Steuersparmodell. Allerdings muten die Finanzgerichte Pendlern einiges zu, bevor sie diesen Steuervorteil gewähren. Doch das letzte Wort ist dazu noch nicht gesprochen.
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StuttgartWochenendbeziehungen kosten nicht nur Nerven, sondern meist auch eine Menge Geld. Geld, das vor allem für die Zweitwohnung am Arbeitsplatz draufgeht. Aber bei der so genannten doppelten Haushaltsführung hat der Staat ein Einsehen. Wer aus beruflichen Gründen auswärts arbeiten und dort eine zweite Wohnung unterhalten muss, kann alle damit zusammenhängenden Kosten steuerlich geltend machen.

Arbeitnehmer setzen solche Kosten bei den Werbungskosten ab. Allerdings gewährt der Fiskus nur unter bestimmten Bedingungen Steuernachlässe für die doppelte Haushaltsführung:

  • Die Zweitwohnung am Beschäftigungsort muss beruflich veranlasst sein.
  • Der Lebensmittelpunkt muss weiterhin am eigentlichen Wohnort liegen.
  • Ein eigener Hausstand ist Pflicht.

Wichtig ist nach Ansicht des Finanzgerichts Baden-Württemberg außerdem, wo der eigentliche Wohnort liegt – und ob von dort aus die Arbeitsstätte nicht schon erreicht werden kann. In einem aktuellen Urteil unterstrichen die Richter, dass als Voraussetzung für die doppelte Haushaltsführung der Ort des Hausstands und der Beschäftigungsort voneinander getrennt sein müssten (Az.: 1 K 3229/14). Hierunter sei nicht die kommunale Gliederung zu verstehen, sondern der Einzugsbereich der Arbeitsstätte. Könne der Arbeitnehmer von seiner Wohnung aus den Arbeitsplatz täglich in zumutbarer Weise aufsuchen, wohne er bereits am Beschäftigungsort. Damit sei die doppelte Haushaltsführung ausgeschlossen.

Ausschlaggebend ist demnach übrigens nicht allein die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. Auch die Verkehrsanbindung müsse berücksichtigt werden, die Erreichbarkeit dieser Verkehrsmittel bei Arbeitsbeginn und sowie besondere Umstände beim Arbeitsablauf. „Eine Wohnung am Beschäftigungsort kann danach regelmäßig angenommen werden, wenn sie in einem Bereich liegt, von dem aus der Arbeitnehmer üblicherweise täglich zu diesem Ort fahren kann“, begründeten die Richter ihre Entscheidung. Fahrzeiten von etwa einer Stunde für die einfache Strecke liegen demzufolge in einem zeitlich zumutbaren Rahmen.

Das Gericht hielt dies vor allem für die Bedingungen in einer Großstadt normal. Aufgrund des Preisniveaus in der Innenstadt verlagerten sich in der Regel die Wohnsitze der Beschäftigten in die Randbereiche. Vor allem mit einem ausgebauten Straßennetz und gut erreichbaren öffentlichen Nahverkehrsverbindungen seien Fahrtzeiten von rund einer Stunde üblich.

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