Drastische Steuerhöhung für viele Anleger
Aktionärsschützer wettern gegen Abgeltungssteuer

Die Pläne der Bundesregierung für eine Abgeltungssteuer könnten nach Darstellung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) für viele Aktionäre Steuererhöhungen von bis zu 100 Prozent mit sich bringen.

HB BERLIN. "Es steht eine der höchsten prozentualen Steigerungen (bei Steuern) an, die es je gegeben hat", sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker am Donnerstag in Berlin. Eine Abgeltungssteuer von 30 Prozent auf Dividendenerträge würde für Aktionäre mit kleinen und mittleren Einkommen nach DSW-Berechnungen eine doppelt so hohe Steuerlast mit sich bringen wie bisher, sofern der Sparerfreibetrag ausgeschöpft wird.

"Kurzfristanleger mit hohen Einkommen dagegen, die profitieren", sagte Hocker. Entscheidend hierfür sei, dass künftig Erlöse aus Aktienverkäufen generell besteuert werden sollen. Die Verlierer wären langfristig orientierten Anleger, die mit Aktien ihre Altersvorsorge aufgebaut hätten.

Die DSW forderte die Regierung auf, für die geplante Abgeltungssteuer statt der geplanten 30 Prozent nur einen moderaten Steuersatz von 15 Prozent anzusetzen. Auch sollte das Halbeinkünfteverfahren erhalten werden. Nach diesem Verfahren, das seit dem Jahr 2002 gilt, muss der Anleger nur die Hälfte seiner Dividendeneinnahmen mit seinem persönlichen Einkommensteuersatz versteuern. Einen Wegfall der geltenden Spekulationsfrist kann sich der Verband höchstens vorstellen, wenn Verluste aus Wertpapierverkäufen gegen sämtliche Einkunftsarten steuersparend verrechnet werden können und nicht nur Gewinne aus gleichartigen Geschäften. Derzeit sind Gewinne aus Wertpapiergeschäften steuerfrei, wenn die Papiere länger als ein Jahr im Depot liegen.

Als Treppenwitz bezeichnete es Hocker, dass die Regierung sich seit geraumer Zeit darum bemühe, mehr für den Anlegerschutz zu tun, mit ihren Steuerplänen nun aber dem gleichen Klientel drastische Steuererhöhung beschere. "Die geplante Änderung bestraft in erster Linie langfristig orientierte Anleger, die ihr Geld in dividendenstarke Gesellschaften investieren und ihre Aktien länger als ein Jahr halten", sagte er. Hier gehe es um Anleger, die Aktien zur Altersversorgung einsetzen und auch die große Gruppe der Belegschaftsaktionäre. Vorteile hätten dagegen schnell umschichtende Anleger, die wenig auf Dividenden schauten und deren Einkommensteuersatz über 30 Prozent liege.

Ein zentrales Problem dürfte dem DSW zufolge die Frage der Verlustverrechnung aus länger zurückliegenden Aktienkäufen sein. Wenn es etwa möglich wäre, Veräußerungsverluste mit Aktien zu verrechnen, die zu Boomzeiten des Neuen Marktes zu horrenden Preisen gekauft wurden, wäre das ein Steuersparmodell.

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