Düsseldorfer Tabelle
Scheidungskinder erhalten weniger Geld

Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik bekommen unterhaltsberechtigte Kinder in Zukunft weniger Geld. Ab dem kommenden Monat sinken die Unterhaltszahlungen um knapp ein Prozent - und weitere Einschnitte sind bereits abzusehen.

HB DÜSSELDORF. Die in der am Mittwoch neu veröffentlichten Düsseldorfer Tabelle enthaltenen niedrigeren Unterhaltszahlungen spiegelten die sinkenden Nettoeinkommen der vergangenen beiden Jahren wieder, betonte der Vorsitzende des Siebten Familiensenats, Jürgen Soyka. "Eine solche Absenkung hat es vorher noch nie gegeben", sagte der Richter.

Das alle zwei Jahre vom OLG Düsseldorf überarbeitete Zahlenwerk gilt bundesweit als Richtschnur für die Festlegung von Kindesunterhalt. Je nach Alter des Kindes und Einkommen des Unterhaltspflichtigen schwanken danach die künftigen Zahlungen je Kind in Westdeutschland zwischen 202 und 662 Euro.

Dass dabei die Abwägung zwischen Kindeswohl und Finanzkraft des Unterhaltspflichtigen ein schwieriges Unterfangen ist, zeigt schon ein Blick auf die Tabelle: In Westdeutschland definierte das Gericht insgesamt 52 verschiedene mögliche Unterhaltssätze für ein Kind - abhängig vom Alter des Kindes und dem Einkommen des Unterhaltspflichtigen. In Ostdeutschland werden wegen der geringeren Einkommen und der niedrigeren Lebenshaltungskosten sogar noch zwei niedrigere Einkommensgruppen vorgeschaltet. Bei Großverdienern mit einem Nettoeinkommen von mehr als 4 800 Euro greift die Tabelle ohnehin nicht mehr: Es wird nach Einzelfall entschieden.

Väter mit einem Einkommen bis 1 300 Euro haben danach für ein Kind im Alter bis fünf Jahren 202 Euro zu zahlen, für Sechs- bis Elfjährige 245 Euro, für Zwölf- bis 17-Jährige 288 Euro und für über 18-Jährige 389 Euro. Väter mit einem Netto-Einkommen knapp unter 4 800 Euro zahlen in den ersten drei Altersgruppen exakt das Doppelte, für die über 18-Jährigen 662 Euro.

Der Neuregelung dürfte allerdings nur eine sehr begrenzte Lebensdauer - von vielleicht nur einigen Monaten - haben. Mit der anstehenden Unterhaltsreform werde auch eine grundlegende Überarbeitung der seit Jahrzehnten von den Gerichten verwendeten Düsseldorfer Tabelle verbunden sein, betonte Soyka. Dann müssen unterhaltsberechtigte Kinder nach Angaben des Richters mit weiteren Einschnitten von teilweise mehr als zehn Prozent rechnen, da sich die neu Tabelle voraussichtlich am steuerlichen Existenzminimum orientieren werde.

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