Erbschaft
Steuerspargeschenke mit dem Eigenheim

Ein neues Urteil des Bundesfinanzhofs dürfte Erben freuen: Ein zu eigenen Wohnzwecken genutztes Familienwohnheim bleibt von der Schenkungsteuer befreit, wenn es zwischen Ehepaaren den Besitzer wechselt - unabhängig von Wert, angemessener Größe und Umfang der Außenanlagen.
  • 0

DÜSSELDORF. Der Bundesfinanzhof hat jüngst ein Urteil veröffentlicht, das den Fokus auf eine Vorschrift im Erbschaftsteuergesetz wirft. Hiernach bleibt das zu eigenen Wohnzwecken genutzte Familienwohnheim von der Schenkungsteuer befreit, wenn es zwischen Ehepaaren den Besitzer wechselt - unabhängig von Wert, angemessener Größe und Umfang der Außenanlagen. Im Urteil wurde hierzu festgehalten, dass diese Vergünstigung nicht rückwirkend greift, wenn ein Paar erst nach der vollzogenen Schenkung heiratet (Az. II R 37/09).

Seit der Erbschaftsteuerreform 2009 werden Immobilien in der Regel auf Marktniveau bewertet, so dass die Aussicht auf eine Steuerbefreiung eine größere Bedeutung bekommen hat. Begünstigt ist generell das Familienwohnheim im Inland sowie im EU- und EWR-Ausland, sofern das Domizil den Mittelpunkt des familiären Lebens darstellt. Damit scheidet zwar die Ferienwohnung aus, jedoch lässt sich das Steuerprivileg neben Einfamilienhaus und Eigentumswohnung auch für Miets- und Geschäftsgrundstücke verwenden, soweit davon Teile zu eigenen Wohnzwecken genutzt werden.

Grundbesitz steuerfrei verschenken

Insoweit kommt es dann zu einer anteiligen Steuerbefreiung, und für den Rest der Immobilie kann dann der persönliche Freibetrag eingesetzt werden. Liegt ein solches Familienheim vor, können Eheleute und eingetragene Lebenspartner zu Lebzeiten solchen Grundbesitz steuerfrei untereinander verschenken. Eine ähnliche Regelung gibt es auch im Erbfall.

Gestaltungsoptionen mit Eigenheim

Dort ist aber die weitere Voraussetzung, dass der Nachkomme das erhaltene Heim ebenfalls selbst bewohnt. Bei der geschenkten Immobilie ist das nicht notwendig. Schenkt der Gatte seiner Ehefrau das Einfamilienhaus, kann sie dies anschließend steuerunschädlich für freiberufliche Zwecke nutzen, vermieten oder verkaufen.

Ideal lässt sich diese Vorschrift nutzen, um den Kindern oder Enkeln etwas steuergünstig zukommen zu lassen. Überträgt z.B. ein Partner eine Haushälfte auf die Gattin und überträgt das Paar anschließend das Domizil auf den Nachwuchs, halbiert sich der Wert pro Person, der persönliche Freibetrag von 400 000 Euro lässt sich zweifach verwenden, und sogar teurere Immobilien können ohne Beteiligung des Fiskus den Besitzer wechseln.

Da das Kind in der Nutzung anschließend frei ist, engen die Eltern seinen Gestaltungsspielraum über den Umweg nicht ein. Nicht nur die Schenkung bereits bestehender Häuser oder Eigentumswohnungen ist begünstigt. Tilgt etwa der Ehemann ein Darlehen oder übernimmt er Erhaltungsaufwendungen für das dem anderen Gatten gehörende Heim, kann hierdurch Kapitalvermögen steuerfrei transferiert werden.

Oliver Holzinger ist Steueranwalt und Chefredakteur von "Der Betrieb".

Quelle: Pressebild
Oliver Holzinger
Der Betrieb / Chefredakteur

Kommentare zu " Erbschaft: Steuerspargeschenke mit dem Eigenheim"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%